|
Derzeit befindet sich nicht nur die
amerikanische Sonde "Mars Odyssey" im Anflug auf unseren
Nachbarplaneten. Auch die Japaner haben eine Marssonde ausgeschickt und
ebenfalls die Europäische Raumfahrtorganisation (Esa). 2003 ist ein kleines
unbemanntes Forschungsfahrzeug der Nasa auf dem Mars gelandet. 2005 wird der
"Mars Reconnaissance Orbiter" gestartet, der die Oberfläche des
Planeten mit einer Genauigkeit abbilden soll, wie sie bislang nur die besten
Spionagesatelliten erreichen. 2007 soll ein großes fahrbares Labor mit sechs Rädern
zum Mars gebracht werden. Gleichzeitig startet eine neue Art der Marsforschung.
Die Nasa will die erste einer Reihe von kleinen und relativ billigen Marssonden
starten, die so genannten Scout-Missionen. 2011 beginnt der Versuch, erstmals
Marsmaterie vollautomatisch zur Erde zu bringen. Auch die Kanadier wollen 2010
zum Mars starten. Bis etwa 2020 plant die Nasa zusätzlich weitere
Marsunternehmungen, die aber im Einzelnen noch nicht feststehen. Es tut sich
also einiges.
Deutschland hatte mit der
Marsforschung bisher nicht sehr viel Glück. Zwei Mal gingen Kameras und
Forschungsgeräte, die mit russischen Sonden unterwegs waren, verloren - doch
auf dem amerikanischen Marsfahrzeug "Sojourner" funktionierten
deutsche Messgeräte perfekt. Das ließ den deutschen Wissenschaftlern wohl
keine Ruhe. Jetzt wollen sie sich wieder an einer Marsmission beteiligen - dem
2007 startenden Unternehmen "Netlander".
Das Team um Professor Tilman
Spohn des Instituts für Planetologie der Universität Münster ist federführend
für den deutschen Part in dem Konsortium aus Deutschland, Frankreich und
Finnland. Und "Netlander" ist als großes Projekt geplant – es
sollen erstmals vier Sonden gleichzeitig auf dem Mars arbeiten. Diese insgesamt
150 Millionen Euro teuren Sonden werden nach ihrem Start mit der bewährten
europäischen Großrakete Ariane 5 unseren Nachbarplaneten nach acht
Monaten Flugzeit erreichen und dann ein Marsjahr lang – das sind zwei
Erdenjahre - ihre Messungen vornehmen.
Ziel dieser Messungen ist nicht
nur das Innere des Mars zu erforschen sondern auch genaue Daten über sein
Wetter im Verlauf der Jahreszeiten zu liefern. Die vier Sonden müssen
gleichzeitig arbeiten, denn nur durch gleichzeitige geophysikalische Messungen
an mehreren Stellen der Planetenoberfläche lassen sich die gewünschten Rückschlüsse
auf den inneren Aufbau und die Atmosphäre des Planeten ziehen.
Finnland steuert bei dem
Unternehmen die komplexe Elektronik bei und Deutschland übernimmt den Bau der
weich auf der Oberfläche aufsetzenden "Lander". Um perfekte
Ergebnisse zu liefern arbeiten die Planetologen der Universität Münster als
die Auftraggeber für Gehäuse, Mechanismen und Thermaldesign mit
Ingenieur-wissenschaftlichen Instituten und der Industrie zusammen.
|