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DIE KATZE - EINE MYSTISCHES WESEN?
DIE KATZE - EINE INKARNATION DER GROSSEN GÖTTIN?
Es gibt Tiere, die besonders schön oder besonders auffallend,
besonders gefährlich oder besonders unauffällig, besonders hässlich oder
besonders selten sind. Es gibt riesige Kolosse, schlanke und gar zierliche
Exemplare und Winzlinge. Ohne sie und ihre Vielfalt wäre unsere Erde nicht das,
was sie ist: eine Welt, die es wert ist, darauf zu leben.
Doch es gibt nur ein Tier, das vom Anfang der Geschichte an
dem Menschen auf ganz besondere Art nahe stand. Es ließ sich nie dominieren, es
war nie bereit sich unterzuordnen und nichts und niemand konnte es dazu
veranlassen,
seinen Freiheitsdrang aufzugeben. Es kam zum Menschen und blieb, solange es
wollte. Es ging wann es wollte. Der Mensch versuchte es zu verstehen - doch es
war nicht bereit seine Persönlichkeit zu offenbaren. Es schloss sich dem Rudel
nicht an sondern blieb ein stolzer, freier Einzelgänger. Das beeindruckte den
Menschen und nötigte ihm Respekt ab. Das anerkannte
dieser -
und manchmal gestand er sich auch ein, dass er selbst gerne so sein würde. So
war es und so ist es noch heute. Nichts hat sich in den Tausenden von Jahren
geändert, auf die die Geschichte zurückblicken kann. Kaum
ein Tier hat einen so intensiven Platz in der Geschichte, wie die Katze. Von der
Göttin bis zur Dämonin - alles das war sie. Gefürchtet, gehasst und geliebt.
Sprichwörtlich ist auch die Liebe der Katze zum Schlaf.
Gerade sie scheint zu wissen, wie wichtig die entspannende Ruhe ist, denn eine
Katze liegt nicht - wie die meisten Tiere ständig auf der Lauer, sondern kann
halbschlummernd vollkommen entspannen. Und sie erwacht mit hellem Bewusstsein
genau in dem Moment, wo Aktivität von ihr verlangt wird. Die Katze ist zu einer
ganz besonderen Form des Ruhens fähig: Der Körper ist völlig entspannt, die
seelischen Kräfte aber sind wachsam und aufnahmefähig. Sie registrieren jede
Veränderung der Umgebung. Gesunde Katzen spüren Wetteränderung und auch die
Kraftfelder in der Erde. Bekannt ist, dass Katzen auch Erdbeben feinfühlig
vorausspüren und die Gefahr deutlich anzeigen. Besonders interessant ist das
Verhalten einer Katze in Nordengland. Ihr Lieblingsplatz war der laufende
Fernsehapparat. Einmal jedoch sprang sie wie erschrocken aus ihrem Schlaf hoch
und lief davon. Kurze Zeit später flackerte der Schirm und die Bildröhre
zerplatzte. Wissenschaftlich abgesichert ist die Tatsache,
dass Katzen -
die beabsichtigt bis zu 5000 km von ihrem Heimatort entfernt wurden - sich doch
"heim-fühlen" können und wieder zurückfinden.
Jeder Katzenfreund ist von dem schönen, stolzen und sauberen
Tier begeistert. Kann man doch deutlich erkennen, wie zufrieden mit sich
selbst und ihrem Dasein jede Katze ist. In diesem "Selbst-Bewusstsein"
kann sie zum besten und treuesten Freund des Menschen werden und sich doch ganz bewusst
ihre Selbstständigkeit und Freiheit bewahren. Und das viele Jahre hindurch.
Welcher Katzenfreund hat nicht schon liebevoll eine alte Katze betrachtet, die -
von einer Familie geliebt und gut betreut - mit einer fast menschlichen Klugheit
dem Ende ihres Lebens entgegensah. Ist man da nicht ein wenig neidisch und
versteht die Überzeugung der birmesischen Tempelpriester, die es als eine
Erfüllung sehen, nach ihrem Tod als blauäugige Tempelkatze wieder
zurückkehren zu können.
Muss die Katze heute auch meistens nicht mehr ihrer
natürlichen Aufgabe - die Jagd auf Kleingetier, Ratten und Mäuse - nachkommen
um ihren Hunger zu stillen, so können wir noch immer gut nachvollziehen, wie
wichtig sie als Helfer gegen die durch die Rattenplage ausgelösten Seuchen
war.
"Katzen und Hexen haben die schönsten Augen!"
Dieser Ausspruch ist schon sehr alt und spricht nicht nur die Wahrheit, sondern
ist auch ein Hinweis darauf, dass die Hexe sich gefühlsmäßig zur Katze
hingezogen fühlte. Die Augen der Katze sind ja wirklich etwas besonderes. Ihr
Nachtsichtigkeit und die Gabe, grelles Licht "abzublenden" um besser
zu sehen, kann durchaus auch mystisch interpretiert werden. Kann sie doch Dinge
sehen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Dadurch mag es glaubhaft
sein, dass Katzen sich in "fremden Welten" bewegen können und mit dem
Übersinnlichen auf vertrautem Fuß stehen. Die Augen sind die Strahlenbrücke,
die eine magische Beziehung zwischen allen Welten möglich macht.
Die eigenartige Schönheit so manchen Edelsteines hat dazu
inspiriert, ihn mit dem Auge der Katze zu vergleichen. Es gibt das
Mondstein-Katzenauge, das Chrysoberyll-Katzenauge, der Quarz-Katzenauge, das
Saphir-Katzenauge, das Tumalin-Katzenauge und noch andere. Natürlich wird auch
dem Auge der Großkatze mit den Tigerauge gehuldigt. Diese Halbedel- und
Edelsteine werden sehr gerne als Glückssymbole getragen und es werden ihnen
auch magische und heilende Kräfte zugeschrieben. Auch dem sogenannten
"Luchsstein" - der als besonderer Kraftstein bekannt ist - werden in
den medizinischen Schriften der Vergangenheit ganz besondere Heilkräfte
nachgesagt. Galt doch der Waldluchs mit seiner geballten Lebenskraft als
ungekrönter Fürst des Waldes und sein unberechenbares Verhalten wurde sehr
bald als bester Spiegel der Wetterverhältnisse erkannt. Auch die
Energieschwankungen in seiner Umgebung registrierte er ganz besonders. So zeigt
der Luchsstein - genau wie dem Katzenfell - leichte elektrische Ladungen. Vor
allem aber glaubte man, der Luchsstein sei als Donnerkeil in den Boden gefahren
- doch tatsächlich handelt es sich dabei um versteinerte Überreste
vorzeitlicher Tintenfische. Was aber ist der so seltene Luchsstein wirklich?
Nun, das kann kaum jemand sagen. Am ehesten ein ganz normaler, gelbfarbiger und
in sich schimmernder Kieselstein - und das, was der Glaube des Finders aus ihm
macht.
Der Heilkraft der Katze wird berechtigte Qualität
zugesprochen. Nicht nur die tatsächlich Elektrizität des Katzenfells, sondern
auch das natürliche Strahlenempfinden werden heute in Medizin und Wissenschaft
anerkannt. Etwas ganz besonderes aber ist das Talent der Katze, sich als
Psychiater zu bewähren. Denn ihr Verhalten passt sich unwahrscheinlich dem
Seelenzustand "ihres" Menschen an. Sie spendet Trost - ohne dazu
aufgefordert zu werden. Sie vermittelt Wohlbefinden - ohne aufdringlich zu
werden. Sie ist ein phantastischer Zuhörer - ohne Langeweile zu zeigen. Sie
weckt den Lebensmut - ohne lästig zu werden. Jeder, der mit einer Katze lebt,
hat diese Erfahrungen schon gemacht und das Verhalten seines Lieblings dankend
angenommen. Die Geschichte berichtet über viele Fürsten, Herrscher und
Wissende beiderlei Geschlechtes, die sich des psychologischen Trostes der
Katzentiere bedienten. Dass zu diesen auch die französischen Staatskanzler
Richelieu und Colbert gehören, ist nicht sehr bekannt. Doch auch sie genossen
es, dem Spiel der Katzen zuzusehen und sich daran zu erfreuen und dabei zu
entspannen.
DIE KATZE IN ÄGYPTEN
Wie sehr die Ägypter die Katze verehrten, ist allgemein
bekannt. Kaum bekannt aber sind die Feinheiten, auf denen diese Verehrung
basierte. Eine Verehrung, die so intensiv war, dass die Ägypter deswegen sogar
Schlachten verloren. So gibt es Berichte darüber, dass der persische Kaiser
Kambyses im 6. Jhdt.v.Ch. einen Angriff auf Ägypten vorbereitete. Doch er wusste
um die Gefährlichkeit der ägyptischen Bogenschützen. So wandte er eine
der besten Kriegslisten der Geschichte an. Jeder seiner Soldaten trug ein
Kätzchen im Arm, als sie auf das ägyptische Heer zumarschierten. Der
mörderische Geschosshagel blieb aus, denn die Ägypter fürchteten, die Kinder
der Katzengöttin Bastet zu verletzen und akzeptierten eher die demütigende
Niederlage.
Bastet - auch Pascht oder Bast genannt - wurde ebenso wie die
ihr wesensverwandten Gottheiten meist mit einem Katzen- oder Löwenkopf
dargestellt. Denn die Ägypter sahen in der niedlichen Hauskatze den
verkleinerten großen Löwen und huldigte ihr dementsprechend. Die jährlichen
Feste der Bast in ihrer heiligen Stadt Bubastis waren im ganzen ägyptischen
Reich bekannt. Herodot berichtet, dass sich zu diesen Festen bis zu 700.000
Menschen im östlichen Nildelta versammelten. Verschmolzen doch Bast und die
hochverehrte Isis nahezu ineinander. Die Veränderungen der Pupille des
Katzenauges wurden als das Zu- und Abnehmen des Mondes interpretiert. Die
elegante Schönheit der Katzen war eine deutliche Huldigung der
weiblich-göttlichen Schönheit der Mond- und Lebensgöttin Isis. Und in den
Tempeln entdeckten die Priester die Gemeinsamkeiten von Mensch und Katzen. Sie
erkannten die geschmeidige Schönheit der Frau, den kämpferischen
Durchsetzungswillen des Mannes und das Verspielte des Kindes.
Doch nicht nur mit dem Mond wurde die Katze in Verbindung
gebracht. Herapollon, ein Geschichtsschreiber, bekundete die Ansicht, dass an
der Größe der Pupille im Katzenauge die Höhe des Sonnenstandes erkennbar sei.
Daher wurden die Katzen auch zum Sinnbild des Sonnenlichtes - wie sie schon
Sinnbild des Mondlichtes waren. Damit wurden sie aber auch die Sinnbilder der
Lebenskraft und zwangsweise jenes Tier, dessen unbezähmbarer und unbesiegbarer
Energie die kriegerischen Pharaonen (die oft den Beinamen "Kater"
trugen) huldigten um im entscheidenden Augenblick selbst darüber zu
verfügen. Auch in Heliopolis, der Sonnenstadt, wurde die Katze als göttliches
Wesen verehrt und der Sonne gleichgestellt. Sie, die das Licht ist, kämpft
gegen die Dunkelheit. So ist es nicht verwunderlich, dass der Sonnengott Ra auch
immer wieder "Große Katze" genannt wurde.
Die Verehrung, die der Katze entgegengebracht wurde, schlug
sich natürlich auch auf die Katzenpriester nieder. Da sie den Umgang mit
diesen eigenwilligen Tieren bestens beherrschten, wurden sie geachtet und geehrt.
Sie wurden zu wichtigen Ratgeber der Herrscher und gewannen großen Einfluss.
Waren sie doch als Diener der katzenköpfigen Bastet dafür verantwortlich, dass
die geheimnisvollen Vierbeiner sich in besonderen Situationen als besonders
wichtig erwiesen. Das, was heute oft voll Unverständnis und Abneigung als
bösartigen Mordtrieb bezeichnen, war für die Ägypter der Garant dafür, dass ihre Kornspeicher unangetastet blieben. Sorgten doch die Katzen unermüdlich
dafür, dass Mäuse, Ratten und andere Nagetiere den Vorräten fernblieben. Die
ungebrochene Jagdlust der kleinen, göttlichen Löwen hielt auch die
Vogelschwärme von den Feldern fern. Die Kinder der Bastet trugen also sehr
viel zum Überfluss an Nahrung und dem dadurch garantierten Lebensgenuss der
Ägypter bei. Und dafür war man ihnen dankbar.
Reisende, die die Paläste der Pharaonen besuchten, waren
erstaunt über die große Verehrung, die den Katzen entgegengebracht
wurde. Doch wenn sie sich ein wenig mit den vielen Vorteilen beschäftigten, die
diese charmanten Tiere ihren Besitzern brachten, waren viele von ihnen
durchaus nicht abgeneigt, ein niedliches Kätzchen als Geschenk anzunehmen und
in ihre Heimat zu bringen. Und das anpassungsfähige Götterkind fand im fremden
Land sehr bald Anschluss an seine Artgenossen.
DIE KATZE IN INDIEN
Das ist sicher nicht der Grund, warum den Katzen auch in
anderen Kulturkreisen höchste Achtung entgegengebracht wurde. Denn sogar schon
früher als in Ägypten wurde die Katze in Indien als die Göttin Shasti
verehrt.
Wie in den meisten religiösen Bereichen spielte der Mond auch
in Indien eine dominierende Rolle. So ist es wohl zu verstehen, dass der
Volksglaube im klaren Mond eine weiße Katze erkennt. In ihrer silberhellen
Reinheit ist sie mit ihren Wunderkräften die Beschützerin der Unschuldigen und
sorgt dafür, dass Böses seine verdiente Bestrafung findet. Aus den mystischen
Berichten geht nicht ganz genau hervor, ob ihre Schwester - die schwarze Katze
und Verkörperung des Dunkelmondes - eben dieses Böse unterstützt, oder ob es
die weiße Katze selbst ist, die sich in mondlosen Nächten als unheimliches und
dämonisches Wesen verführerisch durch die Nacht bewegt. Der Volksglaube spürt
intuitiv wie sehr das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit für das
kosmische Gleichgewicht nötig ist.
Die Katzen waren in Indien schon vor mehr als 5000 Jahren
bekannt und beliebt. Jedoch nicht als Haustiere in unserem Sinne. Sie waren eher
höfliche, zurückhaltende Gäste, die aus der Wildnis kamen und sich
erfreut in Haus und Hof umsahen. Waren doch diese menschlichen
Aufenthaltsstätten genau das, was sie bevorzugten: eine sichere und warme
Höhle, in der ihnen noch etwas geboten wurde - Nahrung. Sie
kamen also immer wieder - ja, manche von ihnen blieben. Und sie dankten ihren
Gastgebern, indem sie Haus und Hof von Schädlingen säuberten.
Der indische Prinz Buddha Sakjamuni schätzte die Katzen sehr.
Er erzählte auch gerne verschiedene Märchen über sie. Unter anderem auch
darüber, dass die Katzen als Hüterinnen des Rauschtrankes Sura eingesetzt
waren, der in der Urzeit ohne fremdes Zutun in einem hohlen Baum entstanden war.
Dieser natürliche Branntwein war an den Hof des Königs gebracht worden, wo die
Katzen ihn bewachen sollten. Doch sie naschhaften Tiere schlürften davon und
schliefen berauscht ein. Die Mäuse nützten die Zeit, in der sie straflos
plündern konnten. Das Entsetzen der Höflinge war groß, als sie die
bewegungslos daliegenden Katzen fanden. Doch es dauerte nicht lange, und diese
sprangen wieder auf und waren gesund und fröhlich. Daran erkannte man, dass der
göttliche Rauschtrank auch für Menschen ungefährlich war und so mancher trank
ab dieser Zeit einen Schluck zu viel.
Für die Brahmanan war die Sauberkeit des Körpers einer
der wichtigsten Bestandteile ihrer Religion - war dieser doch der Tempel, in dem
der unsterbliche Geist wohnte. Wundert es dann, dass ihnen gerade die Katze,
dieses so reinliche und sich häufig putzende Tier als ein von Gott gesandtes
Vorbild erschien? Sogar der alte Name für die Katze weist darauf hin. Sie wurde
"marjara" genannt und dieser Ausdruck geht in seiner Sprachwurzel auf
"sich waschen, sich reinigen" zurück. Etwas, was die Katze gleich in
zweifacher Hinsicht tut: sie reinigt und putzt sich selbst immer und immer
wieder. Und sie reinigt Haus und Hof vor lästigen Ungeziefer.
Doch damit nicht genug. Der große, stattliche Kater wurde
ebenso wie die anmutig-grazile Kätzin als ein Tier des Gottes Agni, dem Herren
des Feuers, bezeichnet. Diese Verbindung ist leicht zu erklären. Es dreht sich
dabei nicht nur um die reinigende Wirkung der hellauf lodernden Flammen, sondern
vor allem um die Flammen des Familienherdes, auf dem die Speisen zubereitet
wurden. Feuer war Lebenskraft - so ist es nicht verwunderlich, dass sich das
klar erkennbare Bedürfnis der Katze nach Wärme in eine mystische Beziehung zum
Feuerelement wandelte. Und doch war der Widder und nicht die Katze das
spezielle Tier des Feuergottes Agni. Ihre Reinlichkeit und rührende Mutterliebe
aber machte die Katze den indischen Völkern als Sasthi, die Mutter des Glücks,
heilig. Die goldhäutige Sasthi, die als liebende Mutter die ersten Lebensjahre
der Kinder behütet, trägt auf allen Abbildungen ein Kind im Arm und hält ein anderes an der Hand.
Immer steht sie auf einer schönen, freundlich blickenden Hauskatze. Sechsmal im Jahr
wurde Sasthi mit großen Zeremonien gefeiert und geehrt. Ihre heiligen Plätze
verraten Naturliebe und Urtümlichkeit, denn es waren die heiligen Banyan-Bäume,
unter denen sie ruhte.
Die Herrin aller Kraft, die große Göttin Maha- Shakti, die
in den indischen Mythen oft der Bhavani-Kali - der Gattin des Shiva -
gleichgesetzt wird, reitet ebenfalls gerne auf einer Katze. "Shakti"
bedeutet "Kraft". Damit ist die göttlich-kosmische Urkraft gemeint,
deren viele verschiedene Seiten durch verschiedene Göttinnen präsentiert werden. Es
wird hier auch ein Zusammenhang mit der ägyptische Göttin Sekhmet vermutet,
die der Bast gleichgesetzt wurde. Denn auch sie trug ein Löwen- bzw.
Katzenhaupt.
Um die Beziehung zwischen Katze und Mensch drehen sich sehr
viele Geschichten. Eine kaum mehr bekannte Geschichte aus der indischen
Götterdichtung bezauberte die Menschen im Rokoko, denn sie berichtete von einer
sehr eigenartigen Katze und deren mystischen Gaben. Sie sollte in der heutigen
Zeit viel öfter
gelesen und erzählt werden, denn sie ist von ganz besonderer Aussagekraft:
"Der große König Salangham lud die Vertreter
verschiedener Weltanschauungen gerne zum Wettstreit der Weisheit an seinen Hof
ein. Wie Weisen erklärten sich gegenseitig und dem König in gewählten Worten
ihre besten Gedanken und bewiesen, welche mystischen und magischen Fähigkeiten die durch die
gelebte Überzeugung gewonnen hatten. Der König, der Hofstaat, die Adeligen,
die Priester und das Volk nahmen an diesen Tages des Wettstreites gerne teil.
Der Philosoph, der den Wettstreit gewann, wurde gefeiert und erhielt
großzügige Preise. Oft wurde er auch zum Berater des Königs gewählt
und seine Gedanken und Ideen wurden vom ganzen Reich nachgelebt und
nachempfunden.
Bei einem dieser Wettstreite trat ein Brahmane gegen einen
verehrten und bewunderten Einsiedler an. Der Priester war für seine bedeutenden
Geisteskräfte bekannt - war er doch in den uralten Tempeln nach allen Regeln
der geheimen Wissenschaften geschult worden. Der Einsiedler nannte als seine
Lehrer immer wieder die Wunder der Natur und bestand darauf, unschlagbar zu
sein. Er würde - so versprach der den Zuhörern - seine Katze in die
Götterwelt senden und diese würde mit einem Geschenk der Götter zurückkommen. Denn seine Gedanken waren in der Einöde immer stärker
geworden und er konnte mit ihnen die Gesetze von Zeit und Raum aufheben. Die
Anwesenden hielten den Atem an als der Einsiedler den Blick auf seinen Kater
Paripatam richtete und sich in tiefe Konzentration versenkte. Alles schrie
bewundern auf als der große Kater plötzlich verschwand.
Dieser aber tauchte im Augenblick als er aus dem königlichen
Palast verschwand am Hof des Devendiren, dem König der Götter, auf. Dieser
befand sich in einem anderen Universum, das weit entfernt von heimatlichen
Universum des Paripatam war. Der Kater hatte über dieses Königreich von
seinem Herrn schon sehr viel erfahren. Das alles sah er nun bestätigt. In
dieser Welt gab es nur Feste mit Musik, Tanz und Lustbarkeiten und sie dauerten
ohne Ende. Die lieblichsten Feen und die schönsten Götter und Göttinnen
lebten hier ihr endloses Dasein und waren umgeben von Schätzen, die
vorstellbar sind. Nur einen Mangel litten sie, der ihnen zur Vollkommenheit
fehlte. Sie besaßen keine Katze.
Als nun Paripatam bei ihnen erschien waren sie nahezu
verrückt vor Freude. Sie brachten beinahe ihr ganzes Universum in Unordnung als
sie versuchten, sich dieses stolze und kluge Tier freundlich zu stimmen. Die
Hauptfrau des Devendiren liebte den Kater so sehr, dass sie sich weigerte, ihn
wieder herzugeben. Der Götterkönig, der seine Frau von Herzen liebte, gestatte
ihr also, sich "noch ein wenig" mit dem Kater zu vergnügen.
Nun ist es ja nicht so, dass in dem Götteruniversum die Zeit
so schnell vergeht wie in unserem Universum. In der "kurzen Zeit", in
der die Frau des Götterkönigs mit Paripatam spielte, vergingen auf der Erde
dreihundert Jahre. Der Götterkönig wusste das und er entschloss sich,
einzugreifen. Er machte, dass sich während der Zeit in der seine Frau mit dem
Kater spielte, die Erde um keine Sekunde altern konnte. So verflossen die
dreihundert Jahre für König Salangham und seinen Hofstaat wie im Fluge und sie
vermissten nichts - außer den Kater.
Endlich konnte der Götterkönig seine liebliche Gemahlin
davon überzeugen, dass es an der Zeit war, sich von Paripatam zu trennen und
ihn wieder in seine Heimat zurückkehren zu lassen. Der Kater verließ das Universum
der Unterblichen und kam aus einem unaussprechlich schönen Himmel in die
große Halle des königlichen Palastes, wo sein Herr immer noch zur Freude
von König Salangham mit dem Brahmanen diskutierte. Paripatam sank auf einem
Blumenthron, der sich auf einer von tausend leuchtenden Perlen in allen
Zauberfarben schimmernden Wolke befand, langsam hernieder. In seiner Pfote hielt
er einen Zweig des Paradiesbaumes - ein Geschenk der Unsterblichen für ihre
treuen Diener. Der berauschende Duft dieses Zweiges erfüllte den königlichen
Palast und alle erkannten, dass das der Duft der Unsterblichkeit war." Diese entzückende Geschichte birgt sehr viel in sich. Sie
spricht von dem Geheimnis, dass das Katzentier umgibt und dem selbst die Götter
nicht widerstehen können.
Reisende berichteten nach Besuchen in indischen
Fürstentümern, dass ganz besondere und hochgeschätzte Familien dazu
ausersehen waren, Geparden zu fangen und zu zähmen. Solche Tiere waren auch an
ausländischen Fürstenhöfen sehr begehrt. Man weiß, dass der Kaiser von
Frankreich einen Jagdgeparden als Geschenk erhielt und auch der deutsche Kaiser
Leopold I. erhielt von dem türkischen Sultan einen Geparden, mit dem er oft und
gerne jagte. Diese ganz besonders für ihre Schnelligkeit bekannten Wildkatzen
wurden "Katzenhunde" genannt und wurden - ebenso wie Luchse -
hochgeschätzt. Der geheimnisvollen "Kaste der Jagdmeister", der die
Zucht und Erziehung dieser Tiere oblag, verdankten gewisse Herrscher wohl auch
den Ruf, eine magische Beziehung zu den großen Katzen aufrecht zu
erhalten.
DIE KATZE BEI DEN GRIECHEN UND RÖMERN.
Wenn wir in Europa den Spuren der Katze folgen, dann finden
wir nicht nur die entzückendsten Geschichten, sondern auch die ehrliche
Bewunderung, die unserem Zimmertiger entgegengebracht wurde. In allen großen
Götterlehren, die sich in der Antike entwickelten, findet sich ein Platz für
die geheimnisvolle Katze - ob als gefürchtete Großkatze oder als
mystisch-freundliches Kätzchen. Ob als Wegbegleiter einer Göttin oder eines
Gottes - oder selbst als Gottheit.
Dionysos, der griechische Gott des Weines, der alle Wesen zur
Begeisterung und Lebensfreude hinreißt, fährt in einem Siegeswagen, der von
Tigern, Panthern, Luchsen und Löwen gezogen wird. Apollo - der Sonnengott -
wird eng mit dem Luchs in Verbindung gebracht, der wegen seiner exzellenten Sehkraft auch als Tier des Lichts bezeichnet wird. Artemis, die Schwester des
Apollo, war jene Göttin, deren Einfluss auf alles Weibliche bekannt war. Sie
schuf sich eine kleine Katze. Und schon der Philosoph Artemidoros nennt in seinem
"Traumbuch" die Katze mit ihrer Schönheit, Lieblichkeit und
Freundlichkeit als Sinnbild der unbezähmbaren Lebensfreude. Homer
drückte die Tapferkeit seiner Helden Achilles, Hector, Ajax und vieler anderer
meist mit den Begriffen "löwenbeherzt" und "löwenstark"
aus.
Die griechische und die römische Götterwelt gleichen
einander fast wie Zwillinge. So gleichen sich auch die Erlebnisse, die diese
Götter hatten. Der römische Dichter Ovid berichtet über die Feindschaft
zwischen den Titanen und den Göttern. Dem Titanen Typhon gelingt es
kurzfristig, das Reich der lichten Götter zu erobern. Die Götter fliehen - es
erstaunt wohl kaum - in das fromme Ägypten und nehmen dort - wohl um nicht so
schnell erkannt zu werden, Tiergestalt an. Die römische Artemis, also Diana,
verwandelte sich in eine Katze!
Diana, die als Göttin der Nacht und des Mondes auch die
Göttin der Jagd war, wurde immer von ihren Katzen begleitet. Die Menschen
glaubten, das Jaulen der Tiere in den Stürmen zu hören, wenn diese sie zusammen mit
der Göttin beschützten. Doch Diana war - besonders als Göttin
der Nacht - nicht überall geschätzt. Daher versuchten manche Menschen, sie
durch das Quälen und Schlachten "ihrer Katzen" von der Erde zu
vertreiben. Wie sehr diese brutalen Grausamkeiten um sich griffen berichtet eine
Handschrift aus der Stadt Ypern. Bereits im Jahr 962 wurden Katzen feige von
hohen Türmen geworfen. Das Christentum hatte die alten Götter verdrängt und
feierte so den Himmelfahrtstag Christi am 29. Mai. Das dies gerade in Ypern geschah, hat einen besonderen Grund. Dort stand der Tempel der Diana in ihrer
Gestalt als Freiheitsgöttin, deren Begleiterin die Katze war. Dieses Sinnbild
der freien, ursprünglichen Selbständigkeit - noch dazu die einer Göttin - war für
den Christen Baldunius so störend, dass er das grausame Tiermorden anordnete.
Der Mondgöttin Diana wird auch nachgesagt, dass sie die
Frauen lehrte, ihre geheimen Begabungen zu nützen. Diese Berichte stammen aus
der Zeit der Etrusker und haben sich bis heute erhalten. So zeigte die Göttin
als Herrin der geheimen Liebe, die in der Dunkelheit der Nacht ihre Erfüllung
findet, wie die Frauen und Mädchen nachts heimlich ihren Geliebten in Gestalt
einer Katze besuchen konnten. Und sie versprach ihnen den Schutz des Mondes,
wenn sie auf nächtlichen Katzenpfaden unterwegs waren.
Weder Diana noch die anderen Götter konnten aus der
Volksseele vertrieben werden. Daher ging man daran, Vorschriften zu erlassen,
die "der großen Menge von Weibern, die mit den Heiden-Göttinnen
fuhren" verboten, ihr Tun auszuüben. Unter der Hand berichtete man sich, dass
das Reittier dieser Frauen die Katze war, wenn sie in bestimmten Nächten
zu den Plätzen ihrer Göttin "ritten".
Doch auch wesentlich später rankten sich um die Katze noch
viele Legenden. So wie z.B. die Geschichte, dass der Schöpfer eine Katze
beauftragte, die Heiligen vor der Bosheit der Ratten und Mäuse zu schützen.
DIE KATZE IN DEN LÄNDERN DES NORDENS.
Die nordischen Mythen haben mehr Einfluss auf die
europäischen Kulturen genommen, als im allgemeinen bekannt ist. So geht zum
Beispiel unser "Freitag" in seiner ursprünglichen Sprachform als "frey-tag"
auf die nordische Liebes- und Muttergöttin Freya zurück. Über Freya, die
Mutter der Götter, wird berichtet, dass sie zu den Fahrten über die
Schlachtfelder und ihre anderen Reisen den Katzenwagen benutzte. Mit ihrem
Katzengespann flog sie durch den Himmel und über die Erde.
Volkskundlichen Forschungen entsprechend war jene Frau, die
später als Göttin bezeichnet wurde, Fürstin des magiekundigen Volkes der
Wanen, das vermutlich im Norden des Schwarzen Meeres lebte. Er könnte zur Zeit,
als das Ende des römischen Reiches sich abzeichnete, möglicherweise sogar
unter der Führung der schönen Königin in den europäischen Norden gezogen
sein.
Auch die uns aus Märchen wohlbekannte "Frau Holle"
ist von der nordischen Göttin abgeleitet. Und ganz wie diese hielt sie sich
Katzen. Sie zeigte sich den Wanderern in der Gestalt der "weisen Frau"
oder aber - als Katze, mit deren sichtbarer Erscheinung wunderschöne Musik
erklang. Die norddeutsche Märchenwelt kennt noch eine andere Geschichte von Frau
Holle, die zwar sehr bekannt anmutet aber doch etwas nachdenklich machen sollte. Da wird von der Tochter eines
Mannes berichtet, der sich nach dem Tode seiner ersten Frau wieder verheiratete.
Die neue Frau brachte zwei
Töchter in die Ehe mit und hasste ihre Stieftochter, ernährte sie schlecht und
schlug sie. Schließlich schickte sie das Mädchen mit dem Auftrag Feuer zu
holen zu einer alten, verzauberten Mühle in den Wald, die "Katzenmühle" genannt
wurde. In dieser Mühle wohnten fünfzig Frauen, die Katzenköpfe hatten. Einige
der Katzenfrauen brachten das Mädchen zu ihrer alten Anführerin, die ein besonders
mächtiges Katzenhaupt hatte. Diese bat das Mädchen, ihr doch das Ungeziefer aus
dem Fell zu klauben und ohne Angst, sondern mit viel Sorgfalt kam das Mädchen
dieser Bitte nach. Als Dank dafür erhielt es nicht nur das Feuer sondern auch
seine Sack voll Silber und Gold. Die Stiefmutter war sehr verärgert, als sie
den Schatz sah und schickte nun ihre beiden Töchter in die Katzenmühle. Doch
die beiden Mädchen wussten sich nicht zu benehmen, waren nicht hilfsbereit
sondern sie beschimpften die Katzenfrauen so sehr, dass sich die fünfzig Frauen
zu wilden Tieren wandelten. Sie rissen die Mädchen, die ihnen nur Verachtung
entgegengebracht hatten, in Stücke.
DIE KATZE IN RUSSLAND UND DEN LÄNDERN DER EHEMALIGEN
UDSSR
Die Geschichte berichtet viel über die außerordentliche Verehrung
der Katzen in den osteuropäischen Ländern. So erzählen die Dichter über die
herrliche Tochter des höchsten Tschuwarengottes Tengr. Sie hatte den Körper
einer wunderschönen Frau und das Haupt einer Löwin. Wenn die Menschen ihre
heiligen Bräuche vergaßen, dann trank sie von einem Rauschtrank - da sie
"sonst viel zu lieb war" - stieg dann vom Himmel nieder und zerriss die
Übeltäter. Interessant ist, dass diese göttliche Rächerin auch den Namen
"Sechmet" trug. Hier zeigt sich, dass eine enge Beziehung zu Ägypten
bestand.
Auch die Slawen kannten göttliche Löwenmenschen - war doch
dieses gewaltige Haupt ein Abzeichen des russischen Silny-Bog, also des Gottes
der Kraft. In der Ukraine fanden sich in den Schlafzimmern oftmals Sphinxe
und ein wohltätiges Haus zeichnete sich dadurch aus, dass auf der Ofenbank
zufrieden eine Katze schnurrte.
In seiner Dichtung "Russlan und Ljudmilla" besingt
der russische Dichterfürst Puschkin die Katze. "An der Meerbucht, da
grünt eine Eiche. Aus Gold ist ein ihr eine Kette. Tag und Nacht wandert an ihr
der weise Kater im Kreise herum. Wenn er nach rechts geht, so singt er Lieder.
Bewegt er sich nach links, spricht er Märchen." Und Puschkin schreibt, dass
er diesen Kater besucht und mit ihm gesprochen habe.
Ein altrussisches Märchen spricht von dem geheimnisvollen
"Kot-Bajun", einem magischen Kater, der hinter "dreimal neun
Ländern, im dreißigsten Kaiserreich auf einer hohen Säule sitzt. Dort
erzählt er seine Zaubermärchen, die jeden Zuhörer in tiefen Schlaf
versenken." Ein Held wurde ausgesandt um den Kater zu fangen und zum König
zu bringen, damit Zufriedenheit am königlichen Hof einkehre.
Auch die Baba-Juga, die russische Waldfrau lebt mit einem
Zauberkater, der ein mächtiger Magier ist. Er ist es, der der Baba-Juga ihre
Zauber- und Heilkräfte gibt und auch die Macht, über das Wetter zu herrschen.
Der aufmerksame und wetterkundige Kater spürt schon von weitem, wenn sie
schlecht gelaunt ist. Er erwacht dann aus seinem Schlaf, seine Augen glühen und
sein Fell sprüht elektrische Funken. Ein Märchen berichtet davon, dass der
Kater einem Drachendämon drohte, er könne sich mit den Gewittermächten
verbünden. Der Drache fürchtete sich und verkroch sich in eine hohle Linde.
D ie schlaue Katze verschloss schnell die Öffnung. So war das Ungeheuer gefangen. Das weist darauf hin,
dass die Katze auch in Osteuropa mit dem Feuer in Verbindung gebracht wurde.
Eine andere sehr hübsche alte russische Legende erzählt, dass
Hund und Katze im Auftrag Gottes die Pforten des Paradieses bewachten.
Satan verwandelte sich in eine Ratte und versuchte in das Paradies einzudringen
um es zu beschmutzen. Doch die Katze erkannte und verjagte ihn.
Über die Schamanen der Stämme in östlichen Sibirien geht
das Gerücht, sie hätten sich in Tiger verwandeln können und von diesen die
Kunst gelernt, ihren Körper schlafen zu lassen während sich ihre Augen dem
Unendlichen öffneten. Die Offiziere der russisch-zaristischen Armee setzten
Männer, die von diesen Schamanen ausgebildet worden waren, gerne als besondere
Wachposten ein, da sie - obwohl sie anscheinend schliefen - von feindlichen
Spionen nicht überrascht werden konnten. Solche von den sibirischen Schamanen
ausgebildete "Tigermenschen" waren wichtige Kämpfer bei den Kriegen,
die zur Ausdehnung des russischen und chinesischen Großreiches führten. Noch
von Josef Stalin wird berichtet, dass er sie und ihre Erfahrungen während der
Revolutionskriege nutzte.
Der russische Geschichtsschreiber Schubinski hatte einiges
Interessantes über den Gutsbesitzer Wassili Golowin (1696-1781) zu berichten,
der in der Zeit lebte, in der Zar Peter von dem Bedürfnis besessen war, sein
Reich zu einem modernen, zentralistischen Staat zu machen. Golowin wurde gegen
seinen Willen zum Studium nach Amsterdam geschickt und setzte allen
Ausbildungsversuchen heftigen Widerstand entgegen. Das veranlasste den Zar, ihn
mit besonderer Grausamkeit zu behandeln. Er wurde gefoltert und ausgepeitscht,
doch er blieb standhaft und verweigerte jede Zusammenarbeit. Er blieb den
Traditionen treu, zeigte ein seltsames Verhalten und zog sich auf sein Landgut
zurück. Dort lebte er zusammen mit seinen sieben Lieblingskatzen, die einer
seltenen eurasischen Rasse entstammten. Golowin beschäftigte ein eigenes
Dienstmädchen, dessen Aufgabe es war, die Katzen zu hüten und zu pflegen. Das
wiederum beschwor beim Volk den Gedanken herauf, dass es sich bei den Katzen um
verzauberte Prinzen handelte. Einmal fraß ein Kater von den Fischen, die für
die Herrentafel bestimmt waren und verdarb sie. Golowin war empört und wollte
diesen Kater nicht mehr sehen. Er "verbannte" ihn in eines seiner
Dörfer, das er nie wieder besuchte. Doch seine Diener mussten noch viele Jahre
hindurch täglich darüber Bericht erstatten, wie es dem Tier erging. Als es
starb wagte niemand, Golowin dieses Unglück zu melden. Auch der Sohn
Golowin´s war ein Exzentriker, der nicht nur die Liebe zu den Katzen von seinem
Vater übernahm, sondern dessen Traditionskult noch intensivierte. Seine Bälle,
Musikfeste und Gelage waren im ganzen Reich bekannt.
DIE KATZE BEI DEN KELTEN.
Wie in allen Bereichen zeigt sich auch hier, dass die Katze in
einer besonderen Beziehung zu den geheimen Naturkräften steht. Die als Göttin,
aber auch als Fee oder Hexe bezeichnete Cheridwen, die in ihrem Kessel den Trank
des Wissens kocht, wird sehr eng mit der Katze in Zusammenhang gebracht. Sie
wandelt sich gerne und vor allem in eine Katze. Die energetische Kraft, die
eines der Geheimnisse der Cheridwen war, ging - so glaubte man - auf die Katze
über. So wurde es nicht als verwunderlich angesehen, das manchmal Funken
sprühten, wenn man über das Fell der Tiere strich. Diese elektrischen Funken
galten als die Verkörperung der durch die Natur strömenden Lebenskräfte.
In der Bretagne gibt es alte Aufzeichnungen, die davon
sprechen, dass riesige Schätze nachts von Zauberkatzen gehütet wurden, die man
im Mondlicht nur als schattenhafte Bewegung wahrnehmen konnte. Die scharfen
Augen der Katze aber erkennen auch in der Dunkelheit jeden, der sich dem Schatz
nähern will.
Von dem keltisch-britischen Sagenkönig Artus wird berichtet, dass
er heldenhaft einen Kampf mit einer Riesenkatze bestand. Dies zeigt große
Ähnlichkeit mit indischen Gebräuchen, wo der Kronprinz erst - bewaffnet nur
mit dem Dolch - einen Tiger im Kampf bezwingen musste, ehe er den Thron
besteigen durfte. Und eine keltisch-schottische Sage berichtet darüber, dass
eine
ägyptische Prinzessin und ihre heiligen Katzen bei der Gründung des Reiches
des König Fergus eine große Rolle gespielt hat.
DIE KATZE IN MITTELEUROPA
Im 5. Jhdt. fegten die Stämme der Hunnen unter ihrem Kriegshäuptling
Attila über die Länder Mitteleuropas, lösten eine Völkerwanderung aus und
zerbrachen die römische Ordnung. Die Überlieferung schildert uns den
"wilden Hunnen" als kampflustig, zornig und intrigant. Doch es gibt
auch Berichte darüber, dass Attila in seiner Jugend gar nicht so aggressiv war.
Er galt eher als sehr zurückgezogen, trübsinnig und schwermütig und schien
gar nicht bereit zu sein, das Leben eines Kriegshäuptlings zu führen. Das
ging sogar so weit, dass er sich ernsthaft mit dem Gedanken befasste, zum
Christentum überzutreten und sich dann in ein Kloster zurückzuziehen. Doch eines
Tages beobachtete er eine Katze, die fröhlich mit dem goldenen Reichsapfel
spielte, den die Hunnenkrieger bei ihrem Angriff auf Byzanz erbeutet hatten. In
Attila reifte der Gedanke, solch ein Spiel auch zu spielen. Konnte er das nicht
mit den Ländern tun, die sein Volk noch nicht erobert hatte? Er sprang auf und
griff nach seinem Schwert. Als er es mit kräftigen Fingern umklammerte wuchsen
seine Fingernägel wie die Krallen einer Katze. Und er rief seine Leute zu sich
um ihnen zu sagen, dass er ab nun Kampf und Eroberung als Spiel betrachten
würde.
Nicht nur der Hunnenkönig erkannte, dass die Katze respektlos
und freiheitsliebend alles was ihr gefällt zum spielen nützt. Sie übt im Spiel den
Kampf - Angriff und Verteidigung - bis zur Perfektion und verliert dann blitzschnell
ihr Interesse an dieser Beschäftigung . Das beobachteten auch andere. So wurde die Katze das Bannertier vieler Helden und Völker - z.B. der Wandalen,
der Schwyzer und der Sueben. Von den freiheitsliebenden Burgundern, die
ihr Reich im 5. bis 11. Jhdt. vom Rhein bis zur Provence ausdehnten, wird
berichtet, dass ihr Wappenschild die wilde Bergkatze war.
In den abgelegenen Schweizer Alpentälern hielt sich noch
während der Reformation und den Religionskriegen die ketzerische Sitte des
"Katzenküssens" und bei Umzügen im Februar wurden Kater und Kätzin
als Symbol der Fruchtbarkeit dargestellt. Nächtliche "Katzenfeste"
leiteten die "Kilter-Bräuche" ein, die noch im 18. Jhdt. gepflegt
wurden, ehe die Burschen auf "Katzenwegen" durch die Nacht schlichen
und ihre Mädchen besuchten. Berüchtigt waren die "Kilter-Kämpfe",
die sich zwei um ein besonderes Mädchen rivalisierende Burschen lieferten. Es
gelang den Ketzerrichtern nicht diese Bräuche auszurotten, denn die
Einheimischen zogen sich zu solchen Ritualen in die unzugänglichen Bergtäler
zurück. Auch heute noch wird darüber berichtet, dass es junge Frauen gibt, die
das "Toggeli" aussenden können. Meist sind das sehr in sich
zurückgezogene und besinnliche Mädchen, die - wie die Katzen - den lärmenden
Massenbetrieb meiden. Darum - so meint man - haben sie es auch schwer, einen
passenden Mann zu finden. Daher wandern diese Mädchen in ihren Träumen in
Gestalt einer schönen Katze über die Dächer und suchen nach einem Liebsten.
Manchmal kommen sie auf diesen Wanderungen auch in die fernsten Länder und
haben die seltsamsten Erlebnisse. Treffen sie auf den Mann, der ihnen bestimmt
ist, dann sieht dieser in seinen Träumen ihr Bild und es ist ihm, als könne er
ohne dieses Mädchen nicht mehr leben.
Auch in den Tiroler Bergtälern galt die Katze als Freund und Beschützer
der Liebenden. Oft hieß es, dass ein Madchen sich in eine Katze
verwandelte, um ihren Liebsten auf dem manchmal sehr gefährlichen Heimweg zu
beschützen. Denn als Katze wusste sie auch bei riskanten Kletterein die Füße richtig zu
setzen.
Und eine italienische Sage spricht von einem hässlichen reichen Mann, der eine sehr schöne Frau mit seinen Wünschen belästigte und
sie nötigenfalls mit Gewalt zu seiner Gattin machen wollte. Doch diese Dame
hatte eine große und sehr kluge Katze, die jedesmal laut schrie, wenn sich der
ungebetene Liebhaber näherte und ihn mit gespreizten Krallen angriff. Eine
weise Frau gab dem stürmischen Liebhaber den Rat, doch zu den Elfen zu gehen.
Er tat es und kam als wunderschöner Prinz zurück. Nun konnte auch seine
Angebetete ihm nicht mehr widerstehen und die Katze war friedlich und
freundlich. Nach der Hochzeit tauschten die beiden nun glücklichen Menschen ihre Geheimnisse
aus. Die Frau berichtete von dem magischen Wissen ihrer Katze und der Mann von
dem Zauber, den ihm die Elfen überlassen hatten. Sie teilten ihr Wissen und lebten lange und glücklich. Später gingen sie mit der Katze in das
Feenland und wurden dort gerne und liebevoll aufgenommen.
Der französische Schriftsteller Montfaucon de Villars
(1640-1675) schrieb ein Büchlein, das heute noch in Fachkreisen für Aufregung
sorgt. Manche bezeichnen "Der Graf Gabalis oder die Gespräche über die
Geheimwissenschaft" als eine Schrift über die großen Naturmysterien,
andere nennen es ganz einfach einen Ulk. Sicher ist jedoch, dass sich de Villars
intensiv mit den Ausführungen des Paracelsus beschäftigte. In dem Büchlein
berichtet der Autor auch über die vielgeschmähten "Nachtfeste der Hexen
und Katzen", die sich nach uraltem Brauch versammelten.
Zu der Zeit, als die Inquisition die Katze als Hexentier
verfolgte, entstand das Katzenbuch des Francois Auguste Paradis de Moncrif
(1687-1770), der enthusiastisch über seine Lieblinge berichtete. Und das,
obwohl für ihn die ernsthafte Gefahr bestand, als Ketzer verfolgt zu werden.
Seine geistreichen Grundgedanken über das einst heilige Tier werden seitdem
sehr oft wiederholt. Die Gebildeten seiner Zeit aber erkannten, dass Tierliebe
nicht als verdächtiger "Katzen-Glaube" zu bewerten ist. Die kleinen
Lieblinge der Weisen Ägyptens und Indiens wurden langsam wieder anerkannt und
fanden auch am königlichen Hof Frankreichs ihr Willkommen. Aus der schaurigen
Tiefe der Inquisition schwang sich das Lächeln und die Zärtlichkeit empor, mit
der Paradis de Monclif seine mystischen Schmustiere beschrieb.
Sehr viel zur Beliebtheit der Katze hat auch die Gräfin
Marie-Catherine d´Aulnoy (1650-1705) beigetragen, die sehr gerne reiste und
ihre Erinnerungen niederschrieb. Unter den vielen Feenmärchen, die sie
gesammelt hat, befindet sich mit dem Titel "Die weiße Katze" auch
eine Geschichte, die dem Katzenfreund nicht vorenthalten werden sollte:
Ein alter weiser König hatte drei Söhne und wollte herausfinden, welcher von
ihnen sein würdiger Nachfolger sein konnte. Er stellte jedem der Söhne
eine schwierige Aufgabe, durch deren Lösung er sich beweisen sollte. Der
jüngste Königssohn hatte verschiedene Talente. Er sang sehr angenehm,
beherrschte verschiedene Musikinstrumente und malte schöne Bilder. Nun waren
das zwar Eigenschaften, die einen echten Prinzen auszeichneten, doch ob sie
ausreichten um ein Königreich zu regieren? Eines Tages ging der Prinz durch den
Wald und wurde von einem bösen Gewitter überrascht. Der Sturm verwehte seinen
Weg und so verirrte sich der junge Mann. Plötzlich stand er vor einem Märchenschloss,
dessen Tore wie Gold glänzten und mit Edelsteinen geschmückt waren. Die Mauern
des Schlosses schimmerten in allen Farben wie durchsichtiges Porzellan und an
diesen Wänden sah der Prinz die Geschichten aller Feen, die es seit der
Schöpfung der Welt gegeben hatte. Der Königssohn war erstaunt, dass es keine
Wächter gab, die dieses Wunderwerk beschützen. Doch dann erkannte er, dass
sich das Zauberreich in einer anderen Realität befand. Zaubrische Hände
schwebten ihm entgegen und leuchteten ihm, als er in die Halle des Schlosses
eintrat. Unsagbarer Glanz umgab ihn und er trat an eine wunderschön gedeckte
Tafel, wo ihn die Hände mit köstlichen Speisen verwöhnten. Auch edle
Gewänder brachten sie ihm und waren behilflich, diese anzuziehen. Nachdem sich
der Prinz an Speise und Trank gelabt hatte betrat er einen anderen Saal. An den
Wänden konnte er die wichtigsten Ereignisse der Geschichte der Katzen
betrachten. Er sieht die Katze, die sich aus Liebe zu ihrem Herrn in ein
menschliches Weib verwandelte. Er sieht einen gestiefelten Kater, der seinem
armen Besitzer Geld und Wohlstand bringt. Er sieht die Katze als Freundin und
Begleiterin der Göttinnen und Götter. Er sieht die Zauberer, die Katzengestalt
annahmen und kann deren Bräuche und Gewohnheiten betrachten. Auch einen
Hexensabbat kann er betrachten und all das Leid, das den Katzen angetan wurde.
Dann aber nähert sich ihm die Herrin des Feenpalastes in der Gestalt eines
niedlichen weißen Kätzchens. Sie ist eine Königstochter, die vom Elfenvolk
alle Tugenden, alle guten Eigenschaften und großes Wissen erhalten hat. Daher
kann sie dem Prinzen alle seine Wünsche erfüllen und er ist in der Lage, die
schwierigen Aufgaben, die sein Vater gestellt hat, zu lösen. Er erbt die Krone
und heiratet die Herrin des Feenpalastes, die aus Liebe zu ihm Menschengestalt
annimmt. Sie verliert dadurch zwar ihre magische Kraft, nicht aber ihr
freiheitsliebendes und freundliches Wesen. Der Ruhm und die Taten des
königlichen Herrscherpaares werden auf der ganzen Erde unsterblich."
Der französische Priester Alphonse Louis Constant
(1809-1875), ein Erforscher des Okkulten ist den Esoterikern unter dem Namen
Elivas Levi bekannt. Noch recht jung und unerfahren besuchte er den so beliebten
Pariser Salons einer sehr bekannten Herzogin, in dem Magie,
Geistergeschichten und Mystik das aktuelle Thema waren. Der junge Constant hatte
mit dem befreundeten Geistlichen Malard viel über Seelenwanderung,
Reinkarnation und menschliche und tierische Verwandlung gesprochen. Daher war er
einem Versuch nicht abgeneigt, den sein Freund durchführen wollte. Während
eines an sich harmlosen Gespräches berührte ihn Malard mit der Hand und
Constant verspürte etwas wie einen elektrischen Schlag. Kurz danach schien sich
seine Umgebung in einen dünnen Nebel zu hüllen, der auf die Anwesenden
niedersank. Constant gegenüber saß die bildschöne Herrin des Hauses, mit der
eine sehr eigenartige Verwandlung vor sich ging. Die samtene, schneeweiße Haus
ihres Dekolletés wandelte sich in ein silberschimmerndes Fell. Ihr
Angesicht schien sich in das edle Gesicht einer schönen Katze zu verändern, um
deren Hals immer noch das Brilliantgeschmeide der Herzogin lag. Die Katze
widmete ihm wenig Aufmerksamkeit sondern schien - obwohl sich miauende Töne in
ihre gepflegte Sprache mischten - fröhlich mit den anderen Gästen zu plaudern.
Als Malard wieder den Arm von Constant berührte begann sich der Nebel
aufzulösen und sehr rasch verwandelte sich die schöne Katze wieder in die Herzogin,
die dem jungen Priester freundlich zulächelte.
Ein anderer sehr bekannter Mysteriker und Esoteriker war der
Nordamerikaner Howard Philips Lovecraft (1890-1937), der mit unheimlichen
Geschichten seine Leser begeisterte. Er war von einer leidenschaftlichen
und - wie er selbst zu sagen pflegte - "katzenhaften "Liebe zu
Überlieferungen und Altertümern erfüllt und bestand darauf, sich als
Engländer zu betrachten. Er gab zu, dass er wie Kater weite Reisen verabscheute
und es vorzog, seine unmittelbare Umgebung bis in die kleinsten Einzelheiten zu
erkunden. Es wird berichtet, dass er von seinem Vater die seltensten
orientalischen Bücher erbte und von Alaister Crowley in das Wissen um die
ägyptischen Tiergötter eingeführt wurde. Er selbst nannte jedoch als seinen
eigentlichen Freund und Lehrer den schwarzen Kater seiner Kindheit. Auch
Lovecraft wird nachgesagt, dass er - wenn eine Katze auf seinem Schoß ruhte -
sich stundenlang nicht bewegte um ihre Ruhe nicht zu stören. In seinen
bekanntesten Büchern "Cats of Ulthar" und "Die Traumfahrt zum
unbekannten Kadath" - dessen Held ein großer Katzenfreund ist, den diese
Tiere in die jenseitigen Reiche führen, huldigt der Schriftsteller seinen
geheimnisvollen Lebensbegleitern.
DIE KATZE IM CHRISTLICHEN BEREICH
Schon die Kosenamen, mit denen die Katze zärtlich bedacht
wird, haben ein interessantes Grundelement. In Mitteleuropa wird sie Mietze
genannt, in Osteuropa Mascha. Beides zeigt einen deutlichen Wortstamm zu Maria.
Hier sollte eine Legende erwähnt werden, die darüber berichtet, dass im Stall
zu Bethlehem eine Katze unter der Krippe in der das Jesuskind lag, ihre Jungen
zur Welt brachte. Und selbst die abergläubischen Inquisitoren wagten sich nicht
an jene Katzen heran, deren Fellzeichnung an der Stirn ein M bildete. Ein
anderer Zusammenhang für die frühchristliche Verehrung der Katze nennt die
Bibel. Wird doch eindeutig klargestellt, dass das Sinnbild des
Königsgeschlechts Juda der Löwe war. Die Familie des Heilands gehörte diesem
Geschlecht an. Das früher sehr weit verbreitete Matthäus-Evangelium, das heute
als "Pseudo-Matthäus" bezeichnet wird, berichtet darüber, dass sogar
die Tiere gebetet haben, als Christus geboren wurde und die Löwen und Panther
die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten begleiteten.
Vielen Heiligen des Christentums wird eine enge
Beziehung zu Katzen nachgesagt. Besonders die heilige Gertrud von Nivelles (626-659), die
Tochter des Karolingers Pipin d. Älteren, wurde oft mit einer Katze
abgebildet. Der Teufel wollte sie in Gestalt von Mäusen versuchen, doch die
Katze vertrieb sie.
Die heilige Katharina aus Ägypten hielt sich in England auf
und alle bewunderten ihre Liebe zu den Katzen. Sie zeigte ihre Freude an diesen
Tierchen so offen, dass sie oftmals selbst als "Cat" angesprochen
wurde, was ja von ihrem Namen her durchaus abgeleitet werden konnte. Doch vom
Volk wurde die auch "Santa Gata" - heilige Katze - genannt.
Auch Christus wird eine enge Beziehung zu den Katzentieren
nachgesagt. Zumindest findet sich ein Bericht darüber in einem Evangelium, das
- nachdem es lange in indisch-tibetischen Klöstern aufbewahrt war - irgendwie
nach Ascona kam. 1902 wurde es erstmals in England veröffentlicht und dann auch
in die deutsche Sprache übersetzt. Es berichtet: "Und Jesus kam in ein
Dorf und sah dort eine kleine Katze, die herrenlos war und sie litt Hunger und
schrie. Und er nahm sie in seine Arme und hüllte sie in sein Gewand und ließ
sie an seiner Brust ruhen. Und als er weiter in das Dorf hineingekommen war gab
er der Katze Nahrung und Trank und sie zeigte ihm Dankbarkeit. Und er gab sie
einer seiner Jüngerinnen, welche eine Witwe war mit Namen Lorenza, in
Pflege."
Doch die gute Beziehung zu Katzen hatte auch ihre
gefährlichen Seiten. So wurde Renate, eine Nonne adeliger Herkunft aus dem
Kloster Unterzell im Jahr 1738 als gefährliche Zauberin angeklagt, da sie
"unziemlichen Umgang mit einer Menge Katzen hatte". Die
"Unterhaltung" mit diesen Tieren war ein Verbrechen - so hatte es die Inquisition
bestimmt.
Der urchristliche Gedanke, dass "die Weihnacht für alle
Geschöpfe ist" hat sich bis heute erhalten. Gerade in der Weihnachtszeit
war die Katze - vor allem in den ländlichen Gebieten - das Tier, zu dem der
Mensch besonderen Kontakt entwickelte. Es blieb in der Nähe des Menschen,
kuschelte auf der Ofenbank und schien mit geschlossenen Augen die angenehme
weihnachtliche Stimmung zu genießen. Doch sehr oft wurde von der
"Waldweihnacht" der Tiere gesprochen, bei der der Katze ganz besondere
Bedeutung zugesprochen wurde. War sie doch das Verbindungsglied von der
Menschen- zur Tierwelt. Denn die Haustiere waren in den Ställen eingeschlossen
und der Hund lag an der Kette und musste Haus und Hof bewachen. Sie aber eilte
in den verschneiten Wald um mit den wilden Tieren die "Weih-Nacht" zu
feiern. Glaubhafte Berichte erzählen davon, dass Katzen auch heute noch gegen
Mitternacht am Heiligen Abend unruhig werden und versuchen, das Haus zu
verlassen.
DIE KATZE IM ISLAM.
Mohammed (570-632), der Prophet, Politiker und Dichter schrieb
den Koran - das Buch Allahs - nieder. Seiner Gotteslehre folgten die
zerstrittenen Wüstenstämme, die Türken und auch einige indogermanische
Stämme. Es ist bekannt, dass sich der Religionsgründer intensiv mit der
ägyptischen Kultur beschäftigt hatte und sehr wohl auch die Legenden um Jesus
und die Katzen kannte. Es war ihm sicherlich auch nicht unbekannt, dass die
heidnischen Araber auch die "goldene Katze" verehrten - wie man
berichtete ein Standbild von außerordentlicher Schönheit. Unbestritten ist, dass
der Prophet eine Vorliebe für Katzen hatte. Bekannt ist die Geschichte die
davon berichtet, dass eines Tages das Kätzchen Muezza auf dem Ärmel des
Gewandes Mohammeds schlummerte. Doch es war für den Propheten an der Zeit, sich
zu bekleiden und zum Gebet zu gehen. Er wollte aber die Ruhe des Tierchens nicht
stören. Daher schnitt er den Ärmels seines Gewandes ab und ließ das Kätzchen
weiterschlafen.
Doch das ist nicht die einzige Geschichte. So heißt es auch, dass
eine Katze den Propheten vor dem Biss einer Schlange - und damit vor dem
sicheren Tod - rettete. Der heilige Mann lohnte es dem Tierchen mit der Gabe,
stets im Kampf zu siegen und nie auf den Rücken geworfen werden zu können.
Mohammed ging sogar so weit, Einladungen in ein Haus abzulehnen, in denen die
Katze nicht bevorzugt behandelt wurde.
Interessant ist auch, dass der als "unrein"
angesehene Hund bei den Gebeten der Islamiten nicht dabei sein darf - die Katze
jedoch, wann immer sie es will.
Bedeutsam scheint die islamische Legende, die sich mit der
Katze in der Arche Noah auseinandersetzt. In dem riesigen Schiff hatten sich die
Ratten und Mäuse vermehrt, sodass sie die Wände der Arche mit ihren Schiffen
so zernagten, dass das Schiff drohte zu sinken. Der große Löwe hätte wohl
gegen die Biester gekämpft, doch er vermochte nicht in die Ritzen und Fugen zu
kriechen. Da entstand durch Gottes Ratschluss aus dem Leib des gewaltigen Löwen
die Katze und diese begann den Krieg gegen die Zerstörer. Die Arche wurde
gesäubert und die Bewohner gerettet.
KATZENMENSCHEN
Auch die modernen Massenmedien konnten sich dem mystischen
Zauber der Katze nicht entziehen. Künstler ließen sich von Legenden
inspirieren und alles, was in der Überlieferung auf die Wandlung vom Mensch zum
Tier hinwies, regte die Phantasie an. Vor allem mit Frauen wurden die Katzen
immer wieder in Verbindung gebracht. Filme wie "Tiger Woman"(1917),
"Panther Woman"(1918), "Leopard Woman"(1020) und
"Leopard Lady"(1928) beweisen, wie früh sich Drehbuchautoren und
Filmemacher mit der in die große Katze verwandelte Frau beschäftigt haben.
1943 entstand der Filmklassiker "Cat People", durch den sehr geschickt
das Misstrauen der Amerikaner gegenüber den durch das Land wandernden
slawischen Flüchtlingen dargestellt wurde. So erschien die Geschichte von dem
slawischen Mädchen, das die Trägerin des urtümlichen Katzenzaubers ist,
durchaus wahrheitsgetreu und der Katzenkult fand eine ganz eigenartige
Wiederbelebung.
Auch in der Comic-Welt fanden sich immer wieder
Katzenmenschen. Schon 1939 war "Batman" eine der bekanntesten Figuren,
dessen eindrucksvollste Gegnerin "Cat-Woman" war. Auch
"Cat-Man" wurde in den Jahren 1941-1946 sehr populär, dem natürlich
"Katie Conn" als Begleiterin zur Seite gestellt wurde. Die kätzischen
Wunderhelden waren im Grunde genommen dazu auserwählt, Schwachen und
Unterdrückten zu helfen.
Doch wenn auch das realistische Denken und die moderne Sicht
der mystischen Interpretation klar deutlich macht, dass Katzenmenschen in das
Reich der Fabelwesen gehören - bleibt da nicht doch immer ein winziger Zweifel,
ob nicht doch etwas Wahres an ihrer Existenz sein könnte.
DIE KATZEN AN MEINER SEITE
Mit den verschmusten Lieblingen zu leben, ist eine eigene
Weltanschauung. Denn eigentlich erlauben sie uns, in ihrer Welt zu leben. Sie
zeigen uns deutlich, daß wir uns anständig und wie kultivierte Gäste
verhalten sollen. Sie passen sich uns an, doch sie zeigen nicht die geringste
Lust zur Untertänigkeit. Sie suchen wie wir Menschen die Wärme, die Sonne und
sind die personifizierte Lebensfreude. Sie sind manchmal zornig, schlecht
gelaunt, mürrisch und im nächsten Augenblick ist das alles vergessen. Sie
brauchen keinen Grund um fröhlich zu sein - sie sind es ganz einfach. Sie
kommen, wenn sie gestreichelt werden wollen und sie gehen, wenn sie genug davon
haben. Sie freuen sich uns zu sehen und sie ignorieren uns, wenn ihnen danach
zumute ist. Sie sind ganz einfach so wie wir es gerne wären.
Zu dieser Erkenntnis habe ich mich nach vielerlei Erfahrungen
durchgerungen und ich stehe ehrlichen Herzens dazu. Ich gestehe, dass ich immer
öfter versuche, wie meine Katzen zu leben. Ich habe zwei dieser herrlichen
Tiere. Einen schlanken, weißgrauen Kater, dessen Temperament oft erstaunlich
ist. Er zeigt vor nichts und niemand Respekt, ist neugierig und scheut keine
Klettertour über hohe Bücherregale. Und er vertritt den Standpunkt, dass ich
die Schreibmaschine zur Seite stellen muss, wenn er es sich auf meinem Schoß
bequem macht und auf seine Streicheleinheiten besteht. Seine Partnerin ist ein
wunderschönes, silbergraues MainCoon-Mädchen, das ihn oft bewundernd
beobachtet. Denn sie ist nicht ganz so mutig und frech wie er. Doch sie weiß
sich nötigenfalls trotz ihrer wesentlichen sanfteren Mentalität gegen ihn
durchzusetzen. Wenn es darum geht, den Platz an meiner Seite zu verteidigen,
dann kann sie ganz schön pfauchen. Sie sitzt auch gerne neben mir auf dem
Schreibtisch wenn ich arbeite. Dann scheint es, als ob sie lesen würde was ich
schreibe. Und ich bemühe mich gute Arbeit zu leisten damit sie zufrieden
ist.
Ich möchte die Beiden nicht mehr missen - ja, es
ist so, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann. Sie sind meine
Freude und mein Trost. Sie sind die Flügel meiner Gedanken und die Begleiter in
die Welt des Wissens. Und ich bin ihnen dankbar, dass sie mich verstehen und
meine Freundschaft angenommen haben.
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