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DIE KATZE - EINE MYSTISCHES WESEN?

DIE KATZE - EINE INKARNATION DER GROSSEN GÖTTIN?

Es gibt Tiere, die besonders schön oder besonders auffallend, besonders gefährlich oder besonders unauffällig, besonders hässlich oder besonders selten sind. Es gibt riesige Kolosse, schlanke und gar zierliche Exemplare und Winzlinge. Ohne sie und ihre Vielfalt wäre unsere Erde nicht das, was sie ist: eine Welt, die es wert ist, darauf zu leben.

Doch es gibt nur ein Tier, das vom Anfang der Geschichte an dem Menschen auf ganz besondere Art nahe stand. Es ließ sich nie dominieren, es war nie bereit sich unterzuordnen und nichts und niemand konnte es dazu veranlassen, seinen Freiheitsdrang aufzugeben. Es kam zum Menschen und blieb, solange es wollte. Es ging wann es wollte. Der Mensch versuchte es zu verstehen - doch es war nicht bereit seine Persönlichkeit zu offenbaren. Es schloss sich dem Rudel nicht an sondern blieb ein stolzer, freier Einzelgänger. Das beeindruckte den Menschen und nötigte ihm Respekt ab. Das anerkannte dieser - und manchmal gestand er sich auch ein, dass er selbst gerne so sein würde. So war es und so ist es noch heute. Nichts hat sich in den Tausenden von Jahren geändert, auf die die Geschichte zurückblicken kann. Kaum ein Tier hat einen so intensiven Platz in der Geschichte, wie die Katze. Von der Göttin bis zur Dämonin - alles das war sie. Gefürchtet, gehasst und geliebt.

Sprichwörtlich ist auch die Liebe der Katze zum Schlaf. Gerade sie scheint zu wissen, wie wichtig die entspannende Ruhe ist, denn eine Katze liegt nicht - wie die meisten Tiere ständig auf der Lauer, sondern kann halbschlummernd vollkommen entspannen. Und sie erwacht mit hellem Bewusstsein genau in dem Moment, wo Aktivität von ihr verlangt wird. Die Katze ist zu einer ganz besonderen Form des Ruhens fähig: Der Körper ist völlig entspannt, die seelischen Kräfte aber sind wachsam und aufnahmefähig. Sie registrieren jede Veränderung der Umgebung. Gesunde Katzen spüren Wetteränderung und auch die Kraftfelder in der Erde. Bekannt ist, dass Katzen auch Erdbeben feinfühlig vorausspüren und die Gefahr deutlich anzeigen. Besonders interessant ist das Verhalten einer Katze in Nordengland. Ihr Lieblingsplatz war der laufende Fernsehapparat. Einmal jedoch sprang sie wie erschrocken aus ihrem Schlaf hoch und lief davon. Kurze Zeit später flackerte der Schirm und die Bildröhre zerplatzte. Wissenschaftlich abgesichert ist die Tatsache, dass Katzen - die beabsichtigt bis zu 5000 km von ihrem Heimatort entfernt wurden - sich doch "heim-fühlen" können und wieder zurückfinden.

Jeder Katzenfreund ist von dem schönen, stolzen und sauberen Tier  begeistert. Kann man doch deutlich erkennen, wie zufrieden mit sich selbst und ihrem Dasein jede Katze ist. In diesem "Selbst-Bewusstsein" kann sie zum besten und treuesten Freund des Menschen werden und sich doch ganz bewusst ihre Selbstständigkeit und Freiheit bewahren. Und das viele Jahre hindurch. Welcher Katzenfreund hat nicht schon liebevoll eine alte Katze betrachtet, die - von einer Familie geliebt und gut betreut - mit einer fast menschlichen Klugheit dem Ende ihres Lebens entgegensah. Ist man da nicht ein wenig neidisch und versteht die Überzeugung der birmesischen Tempelpriester, die es als eine Erfüllung sehen, nach ihrem Tod als blauäugige Tempelkatze wieder zurückkehren zu können.

Muss die Katze heute auch meistens nicht  mehr ihrer natürlichen Aufgabe - die Jagd auf Kleingetier, Ratten und Mäuse - nachkommen um ihren Hunger zu stillen, so können wir noch immer gut nachvollziehen, wie wichtig sie als Helfer gegen die durch die Rattenplage ausgelösten Seuchen war.

"Katzen und Hexen haben die schönsten Augen!" Dieser Ausspruch ist schon sehr alt und spricht nicht nur die Wahrheit, sondern ist auch ein Hinweis darauf, dass die Hexe sich gefühlsmäßig zur Katze hingezogen fühlte. Die Augen der Katze sind ja wirklich etwas besonderes. Ihr Nachtsichtigkeit und die Gabe, grelles Licht "abzublenden" um besser zu sehen, kann durchaus auch mystisch interpretiert werden. Kann sie doch Dinge sehen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Dadurch mag es glaubhaft sein, dass Katzen sich in "fremden Welten" bewegen können und mit dem Übersinnlichen auf vertrautem Fuß stehen. Die Augen sind die Strahlenbrücke, die eine magische Beziehung zwischen allen Welten möglich macht.

Die eigenartige Schönheit so manchen Edelsteines hat dazu inspiriert, ihn mit dem Auge der Katze zu vergleichen. Es gibt das Mondstein-Katzenauge, das Chrysoberyll-Katzenauge, der Quarz-Katzenauge, das Saphir-Katzenauge, das Tumalin-Katzenauge und noch andere. Natürlich wird auch dem Auge der Großkatze mit den Tigerauge gehuldigt. Diese  Halbedel- und Edelsteine werden sehr gerne als Glückssymbole getragen und es werden ihnen auch magische und heilende Kräfte zugeschrieben. Auch dem sogenannten "Luchsstein" - der als besonderer Kraftstein bekannt ist - werden in den medizinischen Schriften der Vergangenheit ganz besondere Heilkräfte nachgesagt. Galt doch der Waldluchs mit seiner geballten Lebenskraft als ungekrönter Fürst des Waldes und sein unberechenbares Verhalten wurde sehr bald als bester Spiegel der Wetterverhältnisse erkannt. Auch die Energieschwankungen in seiner Umgebung registrierte er ganz besonders. So zeigt der Luchsstein - genau wie dem Katzenfell - leichte elektrische Ladungen. Vor allem aber glaubte man, der Luchsstein sei als Donnerkeil in den Boden gefahren - doch tatsächlich handelt es sich dabei um versteinerte Überreste vorzeitlicher Tintenfische. Was aber ist der so seltene Luchsstein wirklich? Nun, das kann kaum jemand sagen. Am ehesten ein ganz normaler, gelbfarbiger und in sich schimmernder Kieselstein - und das, was der Glaube des Finders aus ihm macht.

Der Heilkraft der Katze wird berechtigte Qualität zugesprochen. Nicht nur die tatsächlich Elektrizität des Katzenfells, sondern auch das natürliche Strahlenempfinden werden heute in Medizin und Wissenschaft anerkannt. Etwas ganz besonderes aber ist das Talent der Katze, sich als Psychiater zu bewähren. Denn ihr Verhalten passt sich unwahrscheinlich dem Seelenzustand "ihres" Menschen an. Sie spendet Trost - ohne dazu aufgefordert zu werden. Sie vermittelt Wohlbefinden - ohne aufdringlich zu werden. Sie ist ein phantastischer Zuhörer - ohne Langeweile zu zeigen. Sie weckt den Lebensmut - ohne lästig zu werden. Jeder, der mit einer Katze lebt, hat diese Erfahrungen schon gemacht und das Verhalten seines Lieblings dankend angenommen.  Die Geschichte berichtet über viele Fürsten, Herrscher und Wissende beiderlei Geschlechtes, die sich des psychologischen Trostes der Katzentiere bedienten. Dass zu diesen auch die französischen Staatskanzler Richelieu und Colbert gehören, ist nicht sehr bekannt. Doch auch sie genossen es, dem Spiel der Katzen zuzusehen und sich daran zu erfreuen und dabei zu entspannen.

 

DIE KATZE IN ÄGYPTEN

Wie sehr die Ägypter die Katze verehrten, ist allgemein bekannt. Kaum bekannt aber sind die Feinheiten, auf denen diese Verehrung basierte. Eine Verehrung, die so intensiv war, dass die Ägypter deswegen sogar Schlachten verloren. So gibt es Berichte darüber, dass der persische Kaiser Kambyses im 6. Jhdt.v.Ch. einen Angriff auf Ägypten vorbereitete. Doch er wusste um die Gefährlichkeit der ägyptischen Bogenschützen. So wandte er eine der besten Kriegslisten der Geschichte an. Jeder seiner Soldaten trug ein Kätzchen im Arm, als sie auf das ägyptische Heer zumarschierten. Der mörderische Geschosshagel blieb aus, denn die Ägypter fürchteten, die Kinder der Katzengöttin Bastet zu verletzen und akzeptierten eher die demütigende Niederlage.

Bastet - auch Pascht oder Bast genannt - wurde ebenso wie die ihr wesensverwandten Gottheiten meist mit einem Katzen- oder Löwenkopf dargestellt. Denn die Ägypter sahen in der niedlichen Hauskatze den verkleinerten großen Löwen und huldigte ihr dementsprechend. Die jährlichen Feste der Bast in ihrer heiligen Stadt Bubastis waren im ganzen ägyptischen Reich bekannt. Herodot berichtet, dass sich zu diesen Festen bis zu 700.000 Menschen im östlichen Nildelta versammelten. Verschmolzen doch Bast und die hochverehrte Isis nahezu ineinander. Die Veränderungen der Pupille des Katzenauges wurden als das Zu- und Abnehmen des Mondes interpretiert. Die elegante Schönheit der Katzen war eine deutliche Huldigung der weiblich-göttlichen Schönheit der Mond- und Lebensgöttin Isis. Und in den Tempeln entdeckten die Priester die Gemeinsamkeiten von Mensch und Katzen. Sie erkannten die geschmeidige Schönheit der Frau, den kämpferischen Durchsetzungswillen des Mannes und das Verspielte des Kindes.

Doch nicht nur mit dem Mond wurde die Katze in Verbindung gebracht. Herapollon, ein Geschichtsschreiber, bekundete die Ansicht, dass an der Größe der Pupille im Katzenauge die Höhe des Sonnenstandes erkennbar sei. Daher wurden die Katzen auch zum Sinnbild des Sonnenlichtes - wie sie schon Sinnbild des Mondlichtes waren. Damit wurden sie aber auch die Sinnbilder der Lebenskraft und zwangsweise jenes Tier, dessen unbezähmbarer und unbesiegbarer Energie die kriegerischen Pharaonen (die oft den Beinamen "Kater" trugen)  huldigten um im entscheidenden Augenblick selbst darüber zu verfügen. Auch in Heliopolis, der Sonnenstadt, wurde die Katze als göttliches Wesen verehrt und der Sonne gleichgestellt. Sie, die das Licht ist, kämpft gegen die Dunkelheit. So ist es nicht verwunderlich, dass der Sonnengott Ra auch immer wieder "Große Katze" genannt wurde.

Die Verehrung, die der Katze entgegengebracht wurde, schlug sich natürlich auch auf die Katzenpriester nieder. Da sie den Umgang mit diesen eigenwilligen Tieren bestens beherrschten, wurden  sie geachtet und geehrt. Sie wurden zu wichtigen Ratgeber der Herrscher und gewannen großen Einfluss. Waren sie doch als Diener der katzenköpfigen Bastet dafür verantwortlich, dass die geheimnisvollen Vierbeiner sich in besonderen Situationen als besonders wichtig erwiesen. Das, was heute oft voll Unverständnis und Abneigung als bösartigen Mordtrieb bezeichnen, war für die Ägypter der Garant dafür, dass ihre Kornspeicher unangetastet blieben. Sorgten doch die Katzen unermüdlich dafür, dass Mäuse, Ratten und andere Nagetiere den Vorräten fernblieben. Die ungebrochene Jagdlust der kleinen, göttlichen Löwen hielt auch die Vogelschwärme von den Feldern fern. Die Kinder der Bastet trugen also sehr viel zum Überfluss an Nahrung und dem dadurch garantierten Lebensgenuss der Ägypter bei. Und dafür war man ihnen dankbar.

Reisende, die die Paläste der Pharaonen besuchten, waren  erstaunt über die große Verehrung, die den Katzen entgegengebracht wurde. Doch wenn sie sich ein wenig mit den vielen Vorteilen beschäftigten, die diese charmanten Tiere ihren Besitzern brachten,  waren viele von ihnen durchaus nicht abgeneigt, ein niedliches Kätzchen als Geschenk anzunehmen und in ihre Heimat zu bringen. Und das anpassungsfähige Götterkind fand im fremden Land sehr bald Anschluss an seine Artgenossen.

 

DIE KATZE IN INDIEN

Das ist sicher nicht der Grund, warum den Katzen auch in anderen Kulturkreisen höchste Achtung entgegengebracht wurde. Denn sogar schon früher als in Ägypten wurde die Katze in Indien als die Göttin Shasti verehrt.

Wie in den meisten religiösen Bereichen spielte der Mond auch in Indien eine dominierende Rolle. So ist es wohl zu verstehen, dass der Volksglaube im klaren Mond eine weiße Katze erkennt. In ihrer silberhellen Reinheit ist sie mit ihren Wunderkräften die Beschützerin der Unschuldigen und sorgt dafür, dass Böses seine verdiente Bestrafung findet. Aus den mystischen Berichten geht nicht ganz genau hervor, ob ihre Schwester - die schwarze Katze und Verkörperung des Dunkelmondes - eben dieses Böse unterstützt, oder ob es die weiße Katze selbst ist, die sich in mondlosen Nächten als unheimliches und dämonisches Wesen verführerisch durch die Nacht bewegt. Der Volksglaube spürt intuitiv wie sehr das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit für das kosmische Gleichgewicht nötig ist.

Die Katzen waren in Indien schon vor mehr als 5000 Jahren bekannt und beliebt. Jedoch nicht als Haustiere in unserem Sinne. Sie waren eher höfliche, zurückhaltende Gäste, die aus der  Wildnis kamen und sich erfreut in Haus und Hof umsahen. Waren doch diese menschlichen Aufenthaltsstätten genau das, was sie bevorzugten: eine sichere und warme Höhle, in der ihnen noch etwas geboten wurde - Nahrung. Sie kamen also immer wieder - ja, manche von ihnen blieben. Und sie dankten ihren Gastgebern, indem sie Haus und Hof von Schädlingen säuberten.

Der indische Prinz Buddha Sakjamuni schätzte die Katzen sehr. Er erzählte auch gerne verschiedene Märchen über sie. Unter anderem auch darüber, dass die Katzen als Hüterinnen des Rauschtrankes Sura eingesetzt waren, der in der Urzeit ohne fremdes Zutun in einem hohlen Baum entstanden war. Dieser natürliche Branntwein war an den Hof des Königs gebracht worden, wo die Katzen ihn bewachen sollten. Doch sie naschhaften Tiere schlürften davon und schliefen berauscht ein. Die Mäuse nützten die Zeit, in der sie straflos plündern konnten. Das Entsetzen der Höflinge war groß, als sie die bewegungslos daliegenden Katzen fanden. Doch es dauerte nicht lange, und diese sprangen wieder auf und waren gesund und fröhlich. Daran erkannte man, dass der göttliche Rauschtrank auch für Menschen ungefährlich war und so mancher trank ab dieser Zeit einen Schluck zu viel.

Für die Brahmanan war  die Sauberkeit des Körpers einer der wichtigsten Bestandteile ihrer Religion - war dieser doch der Tempel, in dem der unsterbliche Geist wohnte. Wundert es dann, dass ihnen gerade die Katze, dieses so reinliche und sich häufig putzende Tier als ein von Gott gesandtes Vorbild erschien? Sogar der alte Name für die Katze weist darauf hin. Sie wurde "marjara" genannt und dieser Ausdruck geht in seiner Sprachwurzel auf "sich waschen, sich reinigen" zurück. Etwas, was die Katze gleich in zweifacher Hinsicht tut: sie reinigt und putzt sich selbst immer und immer wieder. Und sie reinigt Haus und Hof vor lästigen Ungeziefer.

Doch damit nicht genug. Der große, stattliche Kater wurde ebenso wie die anmutig-grazile Kätzin als ein Tier des Gottes Agni, dem Herren des Feuers, bezeichnet. Diese Verbindung ist leicht zu erklären. Es dreht sich dabei nicht nur um die reinigende Wirkung der hellauf lodernden Flammen, sondern vor allem um die Flammen des Familienherdes, auf dem die Speisen zubereitet wurden. Feuer war Lebenskraft - so ist es nicht verwunderlich, dass sich das klar erkennbare Bedürfnis der Katze nach Wärme in eine mystische Beziehung zum Feuerelement wandelte. Und doch war der Widder und nicht die Katze  das spezielle Tier des Feuergottes Agni. Ihre Reinlichkeit und rührende Mutterliebe aber machte die Katze den indischen Völkern als Sasthi, die Mutter des Glücks, heilig. Die goldhäutige Sasthi, die als liebende Mutter die ersten Lebensjahre der Kinder behütet, trägt auf allen Abbildungen ein Kind im Arm und hält ein anderes an der Hand. Immer steht sie auf einer schönen, freundlich blickenden Hauskatze. Sechsmal im Jahr wurde Sasthi mit großen Zeremonien gefeiert und geehrt. Ihre heiligen Plätze verraten Naturliebe und Urtümlichkeit, denn es waren die heiligen Banyan-Bäume, unter denen sie ruhte.

Die Herrin aller Kraft, die große Göttin Maha- Shakti, die in den indischen Mythen oft der Bhavani-Kali - der Gattin des Shiva - gleichgesetzt wird, reitet ebenfalls gerne auf einer Katze. "Shakti" bedeutet "Kraft". Damit ist die göttlich-kosmische Urkraft gemeint, deren viele verschiedene Seiten durch verschiedene Göttinnen präsentiert werden. Es wird hier auch ein Zusammenhang mit der ägyptische Göttin Sekhmet vermutet, die der Bast gleichgesetzt wurde. Denn auch sie trug ein Löwen- bzw. Katzenhaupt.

 

Um die Beziehung zwischen Katze und Mensch drehen sich sehr viele Geschichten. Eine kaum mehr bekannte Geschichte aus der indischen Götterdichtung bezauberte die Menschen im Rokoko, denn sie berichtete von einer sehr eigenartigen Katze und deren mystischen Gaben. Sie sollte in der heutigen Zeit viel öfter gelesen und erzählt werden, denn sie ist von ganz besonderer Aussagekraft:

 "Der große König Salangham lud die Vertreter verschiedener Weltanschauungen gerne zum Wettstreit der Weisheit an seinen Hof ein. Wie Weisen erklärten sich gegenseitig und dem König in gewählten Worten ihre besten Gedanken und bewiesen, welche mystischen und magischen Fähigkeiten die durch die gelebte Überzeugung gewonnen hatten. Der König, der Hofstaat, die Adeligen, die Priester und das Volk nahmen an diesen Tages des Wettstreites gerne teil. Der Philosoph, der den Wettstreit gewann, wurde gefeiert und erhielt großzügige Preise. Oft wurde er auch zum Berater des Königs gewählt und  seine Gedanken und Ideen wurden vom ganzen Reich nachgelebt und nachempfunden.

Bei einem dieser Wettstreite trat ein Brahmane gegen einen verehrten und bewunderten Einsiedler an. Der Priester war für seine bedeutenden Geisteskräfte bekannt - war er doch in den uralten Tempeln nach allen Regeln der geheimen Wissenschaften geschult worden. Der Einsiedler nannte als seine Lehrer immer wieder die Wunder der Natur und bestand darauf, unschlagbar zu sein. Er würde - so versprach der den Zuhörern - seine Katze in die Götterwelt senden und diese würde mit einem Geschenk der Götter zurückkommen. Denn seine Gedanken waren in der Einöde immer stärker geworden und er konnte mit ihnen die Gesetze von Zeit und Raum aufheben. Die Anwesenden hielten den Atem an als der Einsiedler den Blick auf seinen Kater Paripatam richtete und sich in tiefe Konzentration versenkte. Alles schrie bewundern auf als der große Kater plötzlich verschwand.

Dieser aber tauchte im Augenblick als er aus dem königlichen Palast verschwand am Hof des Devendiren, dem König der Götter, auf. Dieser befand sich in einem anderen Universum, das weit entfernt von heimatlichen Universum des Paripatam war. Der Kater hatte über dieses Königreich von seinem Herrn schon sehr viel erfahren. Das alles sah er nun bestätigt. In dieser Welt gab es nur Feste mit Musik, Tanz und Lustbarkeiten und sie dauerten ohne Ende. Die lieblichsten Feen und die schönsten Götter und Göttinnen lebten hier ihr endloses Dasein und waren umgeben von Schätzen, die vorstellbar sind. Nur einen Mangel litten sie, der ihnen zur Vollkommenheit fehlte. Sie besaßen keine Katze.

Als nun Paripatam bei ihnen erschien waren sie nahezu verrückt vor Freude. Sie brachten beinahe ihr ganzes Universum in Unordnung als sie versuchten, sich dieses stolze und kluge Tier freundlich zu stimmen. Die Hauptfrau des Devendiren liebte den Kater so sehr, dass sie sich weigerte, ihn wieder herzugeben. Der Götterkönig, der seine Frau von Herzen liebte, gestatte ihr also, sich "noch ein wenig"  mit dem Kater zu vergnügen.

Nun ist es ja nicht so, dass in dem Götteruniversum die Zeit so schnell vergeht wie in unserem Universum. In der "kurzen Zeit", in der die Frau des Götterkönigs mit Paripatam spielte, vergingen auf der Erde dreihundert Jahre. Der Götterkönig wusste das und er entschloss sich, einzugreifen. Er machte, dass sich während der Zeit in der seine Frau mit dem Kater spielte, die Erde um keine Sekunde altern konnte. So verflossen die dreihundert Jahre für König Salangham und seinen Hofstaat wie im Fluge und sie vermissten nichts - außer den Kater.

Endlich konnte der Götterkönig seine liebliche Gemahlin davon überzeugen, dass es an der Zeit war, sich von Paripatam zu trennen und ihn wieder in seine Heimat zurückkehren zu lassen. Der Kater verließ das Universum der Unterblichen und kam aus einem unaussprechlich schönen Himmel  in die große Halle des königlichen Palastes, wo sein Herr immer noch zur Freude  von König Salangham mit dem Brahmanen diskutierte. Paripatam sank auf einem Blumenthron, der sich auf einer von tausend leuchtenden Perlen in allen Zauberfarben schimmernden Wolke befand, langsam hernieder. In seiner Pfote hielt er einen Zweig des Paradiesbaumes - ein Geschenk der Unsterblichen für ihre treuen Diener. Der berauschende Duft dieses Zweiges erfüllte den königlichen Palast und alle erkannten, dass das der Duft der Unsterblichkeit war." Diese entzückende Geschichte birgt sehr viel in sich. Sie spricht von dem Geheimnis, dass das Katzentier umgibt und dem selbst die Götter nicht widerstehen können.

Reisende berichteten nach Besuchen in indischen Fürstentümern, dass ganz besondere und hochgeschätzte Familien dazu ausersehen waren, Geparden zu fangen und zu zähmen. Solche Tiere waren auch an ausländischen Fürstenhöfen sehr begehrt. Man weiß, dass der Kaiser von Frankreich einen Jagdgeparden als Geschenk erhielt und auch der deutsche Kaiser Leopold I. erhielt von dem türkischen Sultan einen Geparden, mit dem er oft und gerne jagte. Diese ganz besonders für ihre Schnelligkeit bekannten Wildkatzen wurden "Katzenhunde" genannt und wurden - ebenso wie Luchse - hochgeschätzt. Der geheimnisvollen "Kaste der Jagdmeister", der die Zucht und Erziehung dieser Tiere oblag, verdankten gewisse Herrscher wohl auch den Ruf, eine magische Beziehung zu den großen Katzen aufrecht zu erhalten.

 

DIE KATZE BEI DEN GRIECHEN UND RÖMERN.

Wenn wir in Europa den Spuren der Katze folgen, dann finden wir nicht nur die entzückendsten Geschichten, sondern auch die ehrliche Bewunderung, die unserem Zimmertiger entgegengebracht wurde. In allen großen Götterlehren, die sich in der Antike entwickelten, findet sich ein Platz für die geheimnisvolle Katze - ob als gefürchtete Großkatze oder als mystisch-freundliches Kätzchen. Ob als Wegbegleiter einer Göttin oder eines Gottes - oder selbst als Gottheit.

Dionysos, der griechische Gott des Weines, der alle Wesen zur Begeisterung und Lebensfreude hinreißt, fährt in einem Siegeswagen, der von Tigern, Panthern, Luchsen und Löwen gezogen wird. Apollo - der Sonnengott - wird eng mit dem Luchs in Verbindung gebracht, der wegen seiner exzellenten Sehkraft auch als Tier des Lichts bezeichnet wird. Artemis, die Schwester des Apollo, war jene Göttin, deren Einfluss auf alles Weibliche bekannt war. Sie schuf sich eine kleine Katze. Und schon der Philosoph Artemidoros nennt in seinem "Traumbuch" die Katze mit ihrer Schönheit, Lieblichkeit und Freundlichkeit als Sinnbild der unbezähmbaren Lebensfreude.  Homer drückte die Tapferkeit seiner Helden Achilles, Hector, Ajax und vieler anderer meist mit den Begriffen "löwenbeherzt" und "löwenstark" aus.

Die griechische und die römische Götterwelt gleichen einander fast wie Zwillinge. So gleichen sich auch die Erlebnisse, die diese Götter hatten. Der römische Dichter Ovid berichtet über die Feindschaft zwischen den Titanen und den Göttern. Dem Titanen Typhon gelingt es kurzfristig, das Reich der lichten Götter zu erobern. Die Götter fliehen - es erstaunt wohl kaum - in das fromme Ägypten und nehmen dort - wohl um nicht so schnell erkannt zu werden, Tiergestalt an. Die römische Artemis, also Diana, verwandelte sich in eine Katze!

Diana, die als Göttin der Nacht und des Mondes auch die Göttin der Jagd war, wurde immer von ihren Katzen begleitet. Die Menschen glaubten, das Jaulen der Tiere in den Stürmen zu hören, wenn diese sie zusammen mit der Göttin  beschützten. Doch Diana war - besonders als Göttin der Nacht - nicht überall geschätzt. Daher versuchten manche Menschen, sie durch das Quälen und Schlachten "ihrer Katzen" von der Erde zu vertreiben. Wie sehr diese brutalen Grausamkeiten um sich griffen berichtet eine Handschrift aus der Stadt Ypern. Bereits im Jahr 962 wurden Katzen feige von hohen Türmen geworfen. Das Christentum hatte die alten Götter verdrängt und feierte so den Himmelfahrtstag Christi am 29. Mai. Das dies gerade in Ypern geschah, hat einen besonderen Grund. Dort stand der Tempel der Diana in ihrer Gestalt als Freiheitsgöttin, deren Begleiterin die Katze war. Dieses Sinnbild der freien, ursprünglichen Selbständigkeit - noch dazu die einer Göttin - war für den Christen Baldunius so störend, dass er das grausame Tiermorden anordnete.

Der Mondgöttin Diana wird auch nachgesagt, dass sie die Frauen lehrte, ihre geheimen Begabungen zu nützen. Diese Berichte stammen aus der Zeit der Etrusker und haben sich bis heute erhalten. So zeigte die Göttin als Herrin der geheimen Liebe, die in der Dunkelheit der Nacht ihre Erfüllung findet, wie die Frauen und Mädchen nachts heimlich ihren Geliebten in Gestalt einer Katze besuchen konnten. Und sie versprach ihnen den Schutz des Mondes, wenn sie auf nächtlichen Katzenpfaden unterwegs waren.

Weder Diana noch die anderen Götter konnten aus der Volksseele vertrieben werden. Daher ging man daran, Vorschriften zu erlassen, die "der großen Menge von Weibern, die mit den Heiden-Göttinnen fuhren" verboten, ihr Tun auszuüben. Unter der Hand berichtete man sich, dass das Reittier dieser Frauen die Katze war, wenn sie in bestimmten Nächten zu den Plätzen ihrer Göttin "ritten".

Doch auch wesentlich später rankten sich um die Katze noch viele Legenden. So wie z.B. die Geschichte, dass der Schöpfer eine Katze beauftragte, die Heiligen vor der Bosheit der Ratten und Mäuse zu schützen.

 

DIE KATZE IN DEN LÄNDERN DES NORDENS.

Die nordischen Mythen haben mehr Einfluss auf die europäischen Kulturen genommen, als im allgemeinen bekannt ist. So geht zum Beispiel unser "Freitag" in seiner ursprünglichen Sprachform als "frey-tag" auf die nordische Liebes- und Muttergöttin Freya zurück. Über Freya, die Mutter der Götter, wird berichtet, dass sie zu den Fahrten über die Schlachtfelder und ihre anderen Reisen den Katzenwagen benutzte.  Mit ihrem Katzengespann flog sie durch den Himmel und über die Erde.

Volkskundlichen Forschungen entsprechend war jene Frau, die später als Göttin bezeichnet wurde, Fürstin des magiekundigen Volkes der Wanen, das vermutlich im Norden des Schwarzen Meeres lebte. Er könnte zur Zeit, als das Ende des römischen Reiches sich abzeichnete, möglicherweise sogar unter der Führung der schönen Königin in den europäischen Norden gezogen sein.

Auch die uns aus Märchen wohlbekannte "Frau Holle" ist von der nordischen Göttin abgeleitet. Und ganz wie diese hielt sie sich Katzen. Sie zeigte sich den Wanderern in der Gestalt der "weisen Frau" oder aber - als Katze, mit deren sichtbarer Erscheinung wunderschöne Musik erklang. Die norddeutsche Märchenwelt kennt noch eine andere Geschichte von Frau Holle, die zwar sehr bekannt anmutet aber doch etwas nachdenklich machen sollte. Da wird von der  Tochter eines Mannes berichtet, der sich nach dem Tode seiner ersten Frau wieder verheiratete. Die neue Frau brachte zwei Töchter in die Ehe mit und hasste ihre Stieftochter, ernährte sie schlecht und schlug sie. Schließlich schickte sie das Mädchen mit dem Auftrag Feuer zu holen zu einer alten, verzauberten Mühle in den Wald, die "Katzenmühle" genannt wurde. In dieser Mühle wohnten fünfzig Frauen, die Katzenköpfe hatten. Einige der Katzenfrauen brachten das Mädchen zu ihrer alten Anführerin, die ein besonders mächtiges Katzenhaupt hatte. Diese bat das Mädchen, ihr doch das Ungeziefer aus dem Fell zu klauben und ohne Angst, sondern mit viel Sorgfalt kam das Mädchen dieser Bitte nach. Als Dank dafür erhielt es nicht nur das Feuer sondern auch seine Sack voll Silber und Gold. Die Stiefmutter war sehr verärgert, als sie den Schatz sah und schickte nun ihre beiden Töchter in die Katzenmühle. Doch die beiden Mädchen wussten sich nicht zu benehmen, waren nicht hilfsbereit sondern sie beschimpften die Katzenfrauen so sehr, dass sich die fünfzig Frauen zu wilden Tieren wandelten. Sie rissen die Mädchen, die ihnen nur Verachtung entgegengebracht hatten, in Stücke.

 

DIE KATZE IN RUSSLAND UND DEN LÄNDERN DER EHEMALIGEN UDSSR

Die Geschichte berichtet viel über die außerordentliche Verehrung der Katzen in den osteuropäischen Ländern. So erzählen die Dichter über die herrliche Tochter des höchsten Tschuwarengottes Tengr. Sie hatte den Körper einer wunderschönen Frau und das Haupt einer Löwin. Wenn die Menschen ihre heiligen Bräuche vergaßen, dann trank sie von einem Rauschtrank - da sie "sonst viel zu lieb war" - stieg dann vom Himmel nieder und zerriss die Übeltäter. Interessant ist, dass diese göttliche Rächerin auch den Namen "Sechmet" trug. Hier zeigt sich, dass eine enge Beziehung zu Ägypten bestand.

Auch die Slawen kannten göttliche Löwenmenschen - war doch dieses gewaltige Haupt ein Abzeichen des russischen Silny-Bog, also des Gottes der Kraft.  In der Ukraine fanden sich in den Schlafzimmern oftmals Sphinxe und ein wohltätiges Haus zeichnete sich dadurch aus, dass auf der Ofenbank zufrieden eine Katze schnurrte.

In seiner Dichtung "Russlan und Ljudmilla" besingt der russische Dichterfürst Puschkin die Katze. "An der Meerbucht, da grünt eine Eiche. Aus Gold ist ein ihr eine Kette. Tag und Nacht wandert an ihr der weise Kater im Kreise herum. Wenn er nach rechts geht, so singt er Lieder. Bewegt er sich nach links, spricht er Märchen." Und Puschkin schreibt, dass er diesen Kater besucht und mit ihm gesprochen habe.

Ein altrussisches Märchen spricht von dem geheimnisvollen "Kot-Bajun", einem magischen Kater, der hinter "dreimal neun Ländern, im dreißigsten Kaiserreich auf einer hohen Säule sitzt. Dort erzählt er seine Zaubermärchen, die jeden Zuhörer in tiefen Schlaf versenken." Ein Held wurde ausgesandt um den Kater zu fangen und zum König zu bringen, damit Zufriedenheit am königlichen Hof einkehre.

Auch die Baba-Juga, die russische Waldfrau lebt mit einem Zauberkater, der ein mächtiger Magier ist. Er ist es, der der Baba-Juga ihre Zauber- und Heilkräfte gibt und auch die Macht, über das Wetter zu herrschen. Der aufmerksame und wetterkundige Kater spürt schon von weitem, wenn sie schlecht gelaunt ist. Er erwacht dann aus seinem Schlaf, seine Augen glühen und sein Fell sprüht elektrische Funken. Ein Märchen berichtet davon, dass der Kater einem Drachendämon drohte, er könne sich mit den Gewittermächten verbünden. Der Drache fürchtete sich und verkroch sich in eine hohle Linde.  D ie schlaue Katze verschloss schnell die Öffnung. So war das Ungeheuer gefangen. Das weist darauf hin, dass die Katze auch in Osteuropa mit dem Feuer in Verbindung gebracht wurde.

Eine andere sehr hübsche alte russische Legende erzählt, dass Hund und Katze im Auftrag Gottes die Pforten des Paradieses bewachten. Satan verwandelte sich in eine Ratte und versuchte in das Paradies einzudringen um es zu beschmutzen. Doch die Katze erkannte und verjagte ihn.

Über die Schamanen der Stämme in östlichen Sibirien geht das Gerücht, sie hätten sich in Tiger verwandeln können und von diesen die Kunst gelernt, ihren Körper schlafen zu lassen während sich ihre Augen dem Unendlichen öffneten. Die Offiziere der russisch-zaristischen Armee setzten Männer, die von diesen Schamanen ausgebildet worden waren, gerne als besondere Wachposten ein, da sie - obwohl sie anscheinend schliefen - von feindlichen Spionen nicht überrascht werden konnten. Solche von den sibirischen Schamanen ausgebildete "Tigermenschen" waren wichtige Kämpfer bei den Kriegen, die zur Ausdehnung des russischen und chinesischen Großreiches führten. Noch von Josef Stalin wird berichtet, dass er sie und ihre Erfahrungen während der Revolutionskriege nutzte.

Der russische Geschichtsschreiber Schubinski hatte einiges Interessantes über den Gutsbesitzer Wassili Golowin (1696-1781) zu berichten, der in der Zeit lebte, in der Zar Peter von dem Bedürfnis besessen war, sein Reich zu einem modernen, zentralistischen Staat zu machen. Golowin wurde gegen seinen Willen zum Studium nach Amsterdam geschickt und setzte allen Ausbildungsversuchen heftigen Widerstand entgegen. Das veranlasste den Zar, ihn mit besonderer Grausamkeit zu behandeln. Er wurde gefoltert und ausgepeitscht, doch er blieb standhaft und verweigerte jede Zusammenarbeit. Er blieb den Traditionen treu, zeigte ein seltsames Verhalten und zog sich auf sein Landgut zurück. Dort lebte er zusammen mit seinen sieben Lieblingskatzen, die einer seltenen eurasischen Rasse entstammten. Golowin beschäftigte ein eigenes Dienstmädchen, dessen Aufgabe es war, die Katzen zu hüten und zu pflegen. Das wiederum beschwor beim Volk den Gedanken herauf, dass es sich bei den Katzen um verzauberte Prinzen handelte. Einmal fraß ein Kater von den Fischen, die für die Herrentafel bestimmt waren und verdarb sie. Golowin war empört und wollte diesen Kater nicht mehr sehen. Er "verbannte" ihn in eines seiner Dörfer, das er nie wieder besuchte. Doch seine Diener mussten noch viele Jahre hindurch täglich darüber Bericht erstatten, wie es dem Tier erging. Als es starb wagte niemand, Golowin dieses Unglück zu melden.  Auch der Sohn Golowin´s war ein Exzentriker, der nicht nur die Liebe zu den Katzen von seinem Vater übernahm, sondern dessen Traditionskult noch intensivierte. Seine Bälle, Musikfeste und Gelage waren im ganzen Reich bekannt.

 

DIE KATZE BEI DEN KELTEN.

Wie in allen Bereichen zeigt sich auch hier, dass die Katze in einer besonderen Beziehung zu den geheimen Naturkräften steht. Die als Göttin, aber auch als Fee oder Hexe bezeichnete Cheridwen, die in ihrem Kessel den Trank des Wissens kocht, wird sehr eng mit der Katze in Zusammenhang gebracht. Sie wandelt sich gerne und vor allem in eine Katze. Die energetische Kraft, die eines der Geheimnisse der Cheridwen war, ging - so glaubte man - auf die Katze über. So wurde es nicht als verwunderlich angesehen, das manchmal Funken sprühten, wenn man über das Fell der Tiere strich. Diese elektrischen Funken galten als die Verkörperung der durch die Natur strömenden Lebenskräfte.

In der Bretagne gibt es alte Aufzeichnungen, die davon sprechen, dass riesige Schätze nachts von Zauberkatzen gehütet wurden, die man im Mondlicht nur als schattenhafte Bewegung wahrnehmen konnte. Die scharfen Augen der Katze aber erkennen auch in der Dunkelheit jeden, der sich dem Schatz nähern will.

Von dem keltisch-britischen Sagenkönig Artus wird berichtet, dass er heldenhaft einen Kampf mit einer Riesenkatze bestand. Dies zeigt große Ähnlichkeit mit indischen Gebräuchen, wo der Kronprinz erst - bewaffnet nur mit dem Dolch - einen Tiger im Kampf bezwingen musste, ehe er den Thron besteigen durfte. Und eine keltisch-schottische Sage berichtet darüber, dass eine ägyptische Prinzessin und ihre heiligen Katzen bei der Gründung des Reiches des König Fergus eine große Rolle gespielt hat.

 

DIE KATZE IN MITTELEUROPA

Im 5. Jhdt. fegten die Stämme der Hunnen unter ihrem Kriegshäuptling Attila über die Länder Mitteleuropas, lösten eine Völkerwanderung aus und zerbrachen die römische Ordnung. Die Überlieferung schildert uns den "wilden Hunnen" als kampflustig, zornig und intrigant. Doch es gibt auch Berichte darüber, dass Attila in seiner Jugend gar nicht so aggressiv war. Er galt eher als sehr zurückgezogen, trübsinnig und schwermütig und schien gar nicht bereit zu sein, das Leben eines Kriegshäuptlings zu führen. Das ging sogar so weit, dass er sich ernsthaft mit dem Gedanken befasste, zum Christentum überzutreten und sich dann in ein Kloster zurückzuziehen. Doch eines Tages beobachtete er eine Katze, die fröhlich mit dem goldenen Reichsapfel spielte, den die Hunnenkrieger bei ihrem Angriff auf Byzanz erbeutet hatten. In Attila reifte der Gedanke, solch ein Spiel auch zu spielen. Konnte er das nicht mit den Ländern tun, die sein Volk noch nicht erobert hatte? Er sprang auf und griff nach seinem Schwert. Als er es mit kräftigen Fingern umklammerte wuchsen seine Fingernägel wie die Krallen einer Katze. Und er rief seine Leute zu sich um ihnen zu sagen, dass er ab nun Kampf und Eroberung als Spiel betrachten würde.

Nicht nur der Hunnenkönig erkannte, dass die Katze respektlos und freiheitsliebend alles was ihr gefällt zum spielen nützt. Sie übt im Spiel den Kampf - Angriff und Verteidigung - bis zur Perfektion und verliert dann blitzschnell ihr Interesse an dieser Beschäftigung . Das beobachteten auch andere. So wurde die Katze das Bannertier vieler Helden und Völker - z.B. der Wandalen, der Schwyzer und der Sueben. Von den freiheitsliebenden Burgundern, die ihr  Reich im 5. bis 11. Jhdt. vom Rhein bis zur Provence ausdehnten, wird berichtet, dass ihr Wappenschild die wilde Bergkatze war.

In den abgelegenen Schweizer Alpentälern hielt sich noch während der Reformation und den Religionskriegen die ketzerische Sitte des "Katzenküssens" und bei Umzügen im Februar wurden Kater und Kätzin als Symbol der Fruchtbarkeit dargestellt. Nächtliche "Katzenfeste" leiteten die "Kilter-Bräuche" ein, die noch im 18. Jhdt. gepflegt wurden, ehe die Burschen auf "Katzenwegen" durch die Nacht schlichen und ihre Mädchen besuchten. Berüchtigt waren die "Kilter-Kämpfe", die sich zwei um ein besonderes Mädchen rivalisierende Burschen lieferten. Es gelang den Ketzerrichtern nicht diese Bräuche auszurotten, denn die Einheimischen zogen sich zu solchen Ritualen in die unzugänglichen Bergtäler zurück. Auch heute noch wird darüber berichtet, dass es junge Frauen gibt, die das "Toggeli" aussenden können. Meist sind das sehr in sich zurückgezogene und besinnliche Mädchen, die - wie die Katzen - den lärmenden Massenbetrieb meiden. Darum - so meint man - haben sie es auch schwer, einen passenden Mann zu finden. Daher wandern diese Mädchen in ihren Träumen in Gestalt einer schönen Katze über die Dächer und suchen nach einem Liebsten. Manchmal kommen sie auf diesen Wanderungen auch in die fernsten Länder und haben die seltsamsten Erlebnisse. Treffen sie auf den Mann, der ihnen bestimmt ist, dann sieht dieser in seinen Träumen ihr Bild und es ist ihm, als könne er ohne dieses Mädchen nicht mehr leben.

Auch in den Tiroler Bergtälern galt die Katze als Freund und Beschützer der Liebenden. Oft hieß es, dass ein Madchen sich in eine Katze verwandelte, um ihren Liebsten auf dem manchmal sehr gefährlichen Heimweg zu beschützen. Denn als Katze wusste sie auch bei riskanten Kletterein die Füße richtig zu setzen.

Und eine italienische Sage spricht von einem hässlichen reichen Mann, der eine sehr schöne Frau mit seinen Wünschen belästigte und sie nötigenfalls mit Gewalt zu seiner Gattin machen wollte. Doch diese Dame hatte eine große und sehr kluge Katze, die jedesmal laut schrie, wenn sich der ungebetene Liebhaber näherte und ihn mit gespreizten Krallen angriff. Eine weise Frau gab dem stürmischen Liebhaber den Rat, doch zu den Elfen zu gehen. Er tat es und kam als wunderschöner Prinz zurück. Nun konnte auch seine Angebetete ihm nicht mehr widerstehen und die Katze war friedlich und freundlich. Nach der Hochzeit tauschten die beiden nun glücklichen Menschen ihre Geheimnisse aus. Die Frau berichtete von dem magischen Wissen ihrer Katze und der Mann von dem Zauber, den ihm die Elfen überlassen hatten. Sie teilten  ihr Wissen und lebten lange und glücklich. Später gingen sie mit der Katze in das Feenland und wurden dort gerne und liebevoll aufgenommen.

Der französische Schriftsteller Montfaucon de Villars (1640-1675) schrieb ein Büchlein, das heute noch in Fachkreisen für Aufregung sorgt. Manche bezeichnen "Der Graf Gabalis oder die Gespräche über die Geheimwissenschaft" als eine Schrift über die großen Naturmysterien, andere nennen es ganz einfach einen Ulk. Sicher ist jedoch, dass sich de Villars intensiv mit den Ausführungen des Paracelsus beschäftigte. In dem Büchlein berichtet der Autor auch über die vielgeschmähten "Nachtfeste der Hexen und Katzen", die sich nach uraltem Brauch versammelten.

Zu der Zeit, als die Inquisition die Katze als Hexentier verfolgte, entstand das Katzenbuch des Francois Auguste Paradis de Moncrif (1687-1770), der enthusiastisch über seine Lieblinge berichtete. Und das, obwohl für ihn die ernsthafte Gefahr bestand, als Ketzer verfolgt zu werden. Seine geistreichen Grundgedanken über das einst heilige Tier werden seitdem sehr oft wiederholt. Die Gebildeten seiner Zeit aber erkannten, dass Tierliebe nicht als verdächtiger "Katzen-Glaube" zu bewerten ist. Die kleinen Lieblinge der Weisen Ägyptens und Indiens wurden langsam wieder anerkannt und fanden auch am königlichen Hof Frankreichs ihr Willkommen. Aus der schaurigen Tiefe der Inquisition schwang sich das Lächeln und die Zärtlichkeit empor, mit der Paradis de Monclif seine mystischen Schmustiere beschrieb.

Sehr viel zur Beliebtheit der Katze hat auch die Gräfin Marie-Catherine d´Aulnoy (1650-1705) beigetragen, die sehr gerne reiste und ihre Erinnerungen niederschrieb. Unter den vielen Feenmärchen, die sie gesammelt hat, befindet sich mit dem Titel "Die weiße Katze" auch eine Geschichte, die dem Katzenfreund nicht vorenthalten werden sollte:  Ein alter weiser König hatte drei Söhne und wollte herausfinden, welcher von ihnen sein würdiger  Nachfolger sein konnte. Er stellte jedem der Söhne eine schwierige Aufgabe, durch deren Lösung er sich beweisen sollte. Der jüngste Königssohn hatte verschiedene Talente. Er sang sehr angenehm, beherrschte verschiedene Musikinstrumente und malte schöne Bilder. Nun waren das zwar Eigenschaften, die einen echten Prinzen auszeichneten, doch ob sie ausreichten um ein Königreich zu regieren? Eines Tages ging der Prinz durch den Wald und wurde von einem bösen Gewitter überrascht. Der Sturm verwehte seinen Weg und so verirrte sich der junge Mann. Plötzlich stand er vor einem Märchenschloss, dessen Tore wie Gold glänzten und mit Edelsteinen geschmückt waren. Die Mauern des Schlosses schimmerten in allen Farben wie durchsichtiges Porzellan und an diesen Wänden sah der Prinz die Geschichten aller Feen, die es seit der Schöpfung der Welt gegeben hatte. Der Königssohn war erstaunt, dass es keine Wächter gab, die dieses Wunderwerk beschützen. Doch dann erkannte er, dass sich das Zauberreich in einer anderen Realität befand. Zaubrische Hände schwebten ihm entgegen und leuchteten ihm, als er in die Halle des Schlosses eintrat. Unsagbarer Glanz umgab ihn und er trat an eine wunderschön gedeckte Tafel, wo ihn die Hände mit köstlichen Speisen verwöhnten. Auch edle Gewänder brachten sie ihm und waren behilflich, diese anzuziehen. Nachdem sich der Prinz an Speise und Trank gelabt hatte betrat er einen anderen Saal. An den Wänden konnte er die wichtigsten Ereignisse der Geschichte der Katzen betrachten. Er sieht die Katze, die sich aus Liebe zu ihrem Herrn in ein menschliches Weib verwandelte. Er sieht einen gestiefelten Kater, der seinem armen Besitzer Geld und Wohlstand bringt. Er sieht die Katze als Freundin und Begleiterin der Göttinnen und Götter. Er sieht die Zauberer, die Katzengestalt annahmen und kann deren Bräuche und Gewohnheiten betrachten. Auch einen Hexensabbat kann er betrachten und all das Leid, das den Katzen angetan wurde. Dann aber nähert sich ihm die Herrin des Feenpalastes in der Gestalt eines niedlichen weißen Kätzchens. Sie ist eine Königstochter, die vom Elfenvolk alle Tugenden, alle guten Eigenschaften und großes Wissen erhalten hat. Daher kann sie dem Prinzen alle seine Wünsche erfüllen und er ist in der Lage, die schwierigen Aufgaben, die sein Vater gestellt hat, zu lösen. Er erbt die Krone und heiratet die Herrin des Feenpalastes, die aus Liebe zu ihm Menschengestalt annimmt. Sie verliert dadurch zwar ihre magische Kraft, nicht aber ihr freiheitsliebendes und freundliches Wesen. Der Ruhm und die Taten des königlichen Herrscherpaares werden auf der ganzen Erde unsterblich."

Der französische Priester Alphonse Louis Constant (1809-1875), ein Erforscher des Okkulten ist den Esoterikern unter dem Namen Elivas Levi bekannt. Noch recht jung und unerfahren besuchte er den so beliebten Pariser Salons einer sehr bekannten Herzogin, in dem Magie,  Geistergeschichten und Mystik das aktuelle Thema waren. Der junge Constant hatte mit dem befreundeten Geistlichen Malard viel über Seelenwanderung, Reinkarnation und menschliche und tierische Verwandlung gesprochen. Daher war er einem Versuch nicht abgeneigt, den sein Freund durchführen wollte. Während eines an sich harmlosen Gespräches berührte ihn Malard mit der Hand und Constant verspürte etwas wie einen elektrischen Schlag. Kurz danach schien sich seine Umgebung in einen dünnen Nebel zu hüllen, der auf die Anwesenden niedersank. Constant gegenüber saß die bildschöne Herrin des Hauses, mit der eine sehr eigenartige Verwandlung vor sich ging. Die samtene, schneeweiße Haus ihres Dekolletés wandelte sich in ein silberschimmerndes Fell. Ihr Angesicht schien sich in das edle Gesicht einer schönen Katze zu verändern, um deren Hals immer noch das Brilliantgeschmeide der Herzogin lag. Die Katze widmete ihm wenig Aufmerksamkeit sondern schien - obwohl sich miauende Töne in ihre gepflegte Sprache mischten - fröhlich mit den anderen Gästen zu plaudern. Als Malard wieder den Arm von Constant berührte begann sich der Nebel aufzulösen und sehr rasch verwandelte sich die schöne Katze wieder in die Herzogin, die dem jungen Priester freundlich zulächelte.

Ein anderer sehr bekannter Mysteriker und Esoteriker war der Nordamerikaner Howard Philips Lovecraft (1890-1937), der mit unheimlichen Geschichten seine Leser begeisterte. Er war von einer leidenschaftlichen und  - wie er selbst zu sagen pflegte - "katzenhaften "Liebe zu Überlieferungen und Altertümern erfüllt und bestand darauf, sich als Engländer zu betrachten. Er gab zu, dass er wie Kater weite Reisen verabscheute und es vorzog, seine unmittelbare Umgebung bis in die kleinsten Einzelheiten zu erkunden. Es wird berichtet, dass er von seinem Vater die seltensten orientalischen Bücher erbte und von Alaister Crowley in das Wissen um die ägyptischen Tiergötter eingeführt wurde. Er selbst nannte jedoch als seinen eigentlichen Freund und Lehrer den schwarzen Kater seiner Kindheit. Auch Lovecraft wird nachgesagt, dass er - wenn eine Katze auf seinem Schoß ruhte - sich stundenlang nicht bewegte um ihre Ruhe nicht zu stören. In seinen bekanntesten Büchern "Cats of Ulthar" und "Die Traumfahrt zum unbekannten Kadath" - dessen Held ein großer Katzenfreund ist, den diese Tiere in die jenseitigen Reiche führen, huldigt der Schriftsteller seinen geheimnisvollen Lebensbegleitern.

 

DIE KATZE IM CHRISTLICHEN BEREICH

Schon die Kosenamen, mit denen die Katze zärtlich bedacht wird, haben ein interessantes Grundelement. In Mitteleuropa wird sie Mietze genannt, in Osteuropa Mascha. Beides zeigt einen deutlichen Wortstamm zu Maria. Hier sollte eine Legende erwähnt werden, die darüber berichtet, dass im Stall zu Bethlehem eine Katze unter der Krippe in der das Jesuskind lag, ihre Jungen zur Welt brachte. Und selbst die abergläubischen Inquisitoren wagten sich nicht an jene Katzen heran, deren Fellzeichnung an der Stirn ein M bildete. Ein anderer Zusammenhang für die frühchristliche Verehrung der Katze nennt die Bibel. Wird doch eindeutig klargestellt, dass das Sinnbild des Königsgeschlechts Juda der Löwe war. Die Familie des Heilands gehörte diesem Geschlecht an. Das früher sehr weit verbreitete Matthäus-Evangelium, das heute als "Pseudo-Matthäus" bezeichnet wird, berichtet darüber, dass sogar die Tiere gebetet haben, als Christus geboren wurde und die Löwen und Panther die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten begleiteten.

Vielen Heiligen des Christentums wird eine enge Beziehung zu Katzen nachgesagt. Besonders die heilige Gertrud von Nivelles (626-659), die Tochter des Karolingers Pipin d. Älteren, wurde oft mit einer Katze abgebildet. Der Teufel wollte sie in Gestalt von Mäusen versuchen, doch die Katze vertrieb sie.

Die heilige Katharina aus Ägypten hielt sich in England auf und alle bewunderten ihre Liebe zu den Katzen. Sie zeigte ihre Freude an diesen Tierchen so offen, dass sie oftmals selbst als "Cat" angesprochen wurde, was ja von ihrem Namen her durchaus abgeleitet werden konnte. Doch vom Volk wurde die auch "Santa Gata" - heilige Katze - genannt.

Auch Christus wird eine enge Beziehung zu den Katzentieren nachgesagt. Zumindest findet sich ein Bericht darüber in einem Evangelium, das - nachdem es lange in indisch-tibetischen Klöstern aufbewahrt war - irgendwie nach Ascona kam. 1902 wurde es erstmals in England veröffentlicht und dann auch in die deutsche Sprache übersetzt. Es berichtet: "Und Jesus kam in ein Dorf und sah dort eine kleine Katze, die herrenlos war und sie litt Hunger und schrie. Und er nahm sie in seine Arme und hüllte sie in sein Gewand und ließ sie an seiner Brust ruhen. Und als er weiter in das Dorf hineingekommen war gab er der Katze Nahrung und Trank und sie zeigte ihm Dankbarkeit. Und er gab sie einer seiner Jüngerinnen, welche eine Witwe war mit Namen Lorenza, in Pflege."

Doch die gute Beziehung zu Katzen hatte auch ihre gefährlichen Seiten. So wurde Renate, eine Nonne adeliger Herkunft aus dem Kloster Unterzell im Jahr 1738 als gefährliche Zauberin angeklagt, da sie "unziemlichen Umgang mit einer Menge Katzen hatte". Die "Unterhaltung" mit diesen Tieren war ein Verbrechen - so hatte es die Inquisition bestimmt.

Der urchristliche Gedanke, dass "die Weihnacht für alle Geschöpfe ist" hat sich bis heute erhalten. Gerade in der Weihnachtszeit war die Katze - vor allem in den ländlichen Gebieten - das Tier, zu dem der Mensch besonderen Kontakt entwickelte. Es blieb in der Nähe des Menschen, kuschelte auf der Ofenbank und schien mit geschlossenen Augen die angenehme weihnachtliche Stimmung zu genießen. Doch sehr oft wurde von der "Waldweihnacht" der Tiere gesprochen, bei der der Katze ganz besondere Bedeutung zugesprochen wurde. War sie doch das Verbindungsglied von der Menschen- zur Tierwelt. Denn die Haustiere waren in den Ställen eingeschlossen und der Hund lag an der Kette und musste Haus und Hof bewachen. Sie aber eilte in den verschneiten Wald um mit den wilden Tieren die "Weih-Nacht" zu feiern. Glaubhafte Berichte erzählen davon, dass Katzen auch heute noch gegen Mitternacht am Heiligen Abend unruhig werden und versuchen, das Haus zu verlassen.

 

DIE KATZE IM ISLAM.

Mohammed (570-632), der Prophet, Politiker und Dichter schrieb den Koran - das Buch Allahs - nieder. Seiner Gotteslehre folgten die zerstrittenen Wüstenstämme, die Türken und auch einige indogermanische Stämme. Es ist bekannt, dass sich der Religionsgründer intensiv mit der ägyptischen Kultur beschäftigt hatte und sehr wohl auch die Legenden um Jesus und die Katzen kannte. Es war ihm sicherlich auch nicht unbekannt, dass die heidnischen Araber auch die "goldene Katze" verehrten - wie man berichtete ein Standbild von außerordentlicher Schönheit. Unbestritten ist, dass der Prophet eine Vorliebe für Katzen hatte. Bekannt ist die Geschichte die davon berichtet, dass eines Tages das Kätzchen Muezza auf dem Ärmel des Gewandes Mohammeds schlummerte. Doch es war für den Propheten an der Zeit, sich zu bekleiden und zum Gebet zu gehen. Er wollte aber die Ruhe des Tierchens nicht stören. Daher schnitt er den Ärmels seines Gewandes ab und ließ das Kätzchen weiterschlafen.

Doch das ist nicht die einzige Geschichte. So heißt es auch, dass eine Katze den Propheten vor dem Biss einer Schlange - und damit vor dem sicheren Tod - rettete. Der heilige Mann lohnte es dem Tierchen mit der Gabe, stets im Kampf zu siegen und nie auf den Rücken geworfen werden zu können. Mohammed ging sogar so weit, Einladungen in ein Haus abzulehnen, in denen die Katze nicht bevorzugt behandelt wurde.

Interessant ist auch, dass der als "unrein" angesehene Hund bei den Gebeten der Islamiten nicht dabei sein darf - die Katze jedoch, wann immer sie es will.

Bedeutsam scheint die islamische Legende, die sich mit der Katze in der Arche Noah auseinandersetzt. In dem riesigen Schiff hatten sich die Ratten und Mäuse vermehrt, sodass sie die Wände der Arche mit ihren Schiffen so zernagten, dass das Schiff drohte zu sinken. Der große Löwe hätte wohl gegen die Biester gekämpft, doch er vermochte nicht in die Ritzen und Fugen zu kriechen. Da entstand durch Gottes Ratschluss aus dem Leib des gewaltigen Löwen die Katze und diese begann den Krieg gegen die Zerstörer. Die Arche wurde gesäubert und die Bewohner gerettet.

 

KATZENMENSCHEN

Auch die modernen Massenmedien konnten sich dem mystischen Zauber der Katze nicht entziehen. Künstler ließen sich von Legenden inspirieren und alles, was in der Überlieferung auf die Wandlung vom Mensch zum Tier hinwies, regte die Phantasie an. Vor allem mit Frauen wurden die Katzen immer wieder in Verbindung gebracht. Filme wie "Tiger Woman"(1917), "Panther Woman"(1918), "Leopard Woman"(1020) und "Leopard Lady"(1928) beweisen, wie früh sich Drehbuchautoren und Filmemacher mit der in die große Katze verwandelte Frau beschäftigt haben. 1943 entstand der Filmklassiker "Cat People", durch den sehr geschickt das Misstrauen der Amerikaner gegenüber den durch das Land wandernden slawischen Flüchtlingen dargestellt wurde. So erschien die Geschichte von dem slawischen Mädchen, das die Trägerin des urtümlichen Katzenzaubers ist, durchaus wahrheitsgetreu und der Katzenkult fand eine ganz eigenartige Wiederbelebung.

Auch in der Comic-Welt fanden sich immer wieder Katzenmenschen. Schon 1939 war "Batman" eine der bekanntesten Figuren, dessen eindrucksvollste Gegnerin "Cat-Woman" war. Auch "Cat-Man" wurde in den Jahren 1941-1946 sehr populär, dem natürlich "Katie Conn" als Begleiterin zur Seite gestellt wurde. Die kätzischen Wunderhelden waren im Grunde genommen dazu auserwählt, Schwachen und Unterdrückten zu helfen.

Doch wenn auch das realistische Denken und die moderne Sicht der mystischen Interpretation klar deutlich macht, dass Katzenmenschen in das Reich der Fabelwesen gehören - bleibt da nicht doch immer ein winziger Zweifel, ob nicht doch etwas Wahres an ihrer Existenz sein könnte.

 

DIE KATZEN AN MEINER SEITE

Mit den verschmusten Lieblingen zu leben, ist eine eigene Weltanschauung. Denn eigentlich erlauben sie uns, in ihrer Welt zu leben. Sie zeigen uns deutlich, daß wir uns anständig und wie kultivierte Gäste verhalten sollen. Sie passen sich uns an, doch sie zeigen nicht die geringste Lust zur Untertänigkeit. Sie suchen wie wir Menschen die Wärme, die Sonne und sind die personifizierte Lebensfreude. Sie sind manchmal zornig, schlecht gelaunt, mürrisch und im nächsten Augenblick ist das alles vergessen. Sie brauchen keinen Grund um fröhlich zu sein - sie sind es ganz einfach. Sie kommen, wenn sie gestreichelt werden wollen und sie gehen, wenn sie genug davon haben. Sie freuen sich uns zu sehen und sie ignorieren uns, wenn ihnen danach zumute ist. Sie sind ganz einfach so wie wir es gerne wären.

Zu dieser Erkenntnis habe ich mich nach vielerlei Erfahrungen durchgerungen und ich stehe ehrlichen Herzens dazu. Ich gestehe, dass ich immer öfter versuche, wie meine Katzen zu leben. Ich habe zwei dieser herrlichen Tiere. Einen schlanken, weißgrauen Kater, dessen Temperament oft erstaunlich ist. Er zeigt vor nichts und niemand Respekt, ist neugierig und scheut keine Klettertour über hohe Bücherregale. Und er vertritt den Standpunkt, dass ich die Schreibmaschine zur Seite stellen muss, wenn er es sich auf meinem Schoß bequem macht und auf seine Streicheleinheiten besteht. Seine Partnerin ist ein wunderschönes, silbergraues MainCoon-Mädchen, das ihn oft bewundernd beobachtet. Denn sie ist nicht ganz so mutig und frech wie er. Doch sie weiß sich nötigenfalls trotz ihrer wesentlichen sanfteren Mentalität gegen ihn durchzusetzen. Wenn es darum geht, den Platz an meiner Seite zu verteidigen, dann kann sie  ganz schön pfauchen. Sie sitzt auch gerne neben mir auf dem Schreibtisch wenn ich arbeite. Dann scheint es, als ob sie lesen würde was ich schreibe. Und ich bemühe mich gute Arbeit zu leisten damit sie zufrieden ist.

Ich möchte die Beiden nicht mehr missen - ja, es ist so, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann. Sie sind meine Freude und mein Trost. Sie sind die Flügel meiner Gedanken und die Begleiter in die Welt des Wissens. Und ich bin ihnen dankbar, dass sie mich verstehen und meine Freundschaft angenommen haben.

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