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Im allgemeinen gilt Solons Bericht und Platons Aufzeichnung als die erste Erwähnung des sagenhaften Inselkontinentes und seiner Bewohner. Doch dem ist nicht so. Denn schon Homer, der im 8. Jhdt.v.Ch. lebte, erwähnt in seiner „Odyssee“ eine Insel im fernen Ocean. Er nennt sie „Scheria“ und spricht davon, dass sie von den Phäaken bewohnt wurde. Erstaunlich sind die Ähnlichkeiten, die sich in den Berichten von Homer und Solon bzw. Platon zeigen:
Platon nennt Atlas als König von Atlantis, Homer nennt Alkinoos als König von Scheria. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Töchter des Atlas Plejaden genannt wurden. Eine von ihnen hieß Alkyone. Die Ähnlichkeit mit dem Königsnamen Alkinoos ist unübersehbar.
Platon beschreibt Atlantis als an Naturschätzen reichen Inselkontinent mit enormen Bodenschätzen. Homer berichtet von Scheria das gleiche.
Platon bezeichnet Atlantis als westlich von Gibraltar im Atlantik liegenden Inselkontinent. Homer beschreibt, daß Odysseus, der auf der Insel Ogygia con Calypso – einer Tochter des Atlas – gefangen gehalten wurde, Scheria nach seiner Flucht in einer 18-tägigen Seereise erreichte.
Platon beschreibt den Tempel des Poseidon. Homer spricht ebenfalls von einem zentralen Tempel, der dem Poseidon geweiht war.
Platon berichtet, dass die Häfen von Atlantis von einer Ringmauer mit einer kleinen Einfahrt umgeben waren. Homer sagt das von Scheria ebenso.
Platon schreibt, dass auf der Insel alles wunderbar wuchs, da es der Einwirkung der Sonne optimal zugänglich war. Homer berichtet davon, dass auf Scheria Sommer und Winter ein warmer Westwind wehte, so dass alles wuchs und gedieh. Platon erwähnt, dass sich im Zentrum der Insel eine warme und eine kalte Quelle befanden. Homer schreibt ebenfalls von zwei Quellen auf
Scheria.
Platon bezeichnet den Königssitz auf Atlantis mit einer Ringmauer umgeben. Homer berichtet vom Königssitz auf Scheria dasselbe.
Platon beschreibt, dass das Königshaus auf Atlantis mit Silber überzogen war und goldene Säulen hatte. Homer nennt das Königshaus mit gediegenem Erz überzogen, dass es strahlte wie die Sonne und es goldene Pforten hatte.
Platon erwähnt die riesige Schiffsflotte der Atlanter und gibt sogar detaillierte Angaben. Homer spricht ebenfalls von einer riesigen Flotte der Könige von Scherida.
Interessant ist auch, dass Odysseus seine Irrfahrten dem Meeresgott Poseidon zu verdanken hatte, der ja von Solon – bzw. dem ägyptischen Priester – als Gründer von Atlantis bezeichnet wurde.
Andere Erwähnungen
Auch Proklos (410-485 v.Ch.) erwähnt in seinen Schriften, dass es im Meer westlich von Europa mehrere Inseln gäbe, deren Bewohner sich als Abkömmlinge eines Imperiums auf einer großen Insel betrachteten, die vom Ocean verschlungen worden war.
Aristoteles (384-322 v.Ch.) war zwar ein äußerst begabter Schüler Platons, aber auch einer seiner härtesten Kritiker. Einerseits zweifelte er den Atlantisbericht an, andererseits jedoch findet sich in seinen Schriften die klare Aussage, dass die Karthager eine große Insel im westlichen Ocean kannten, die sie „Antilia“ nannten.
Krantor (330-275 v. Ch.) erzählte, dass er in Ägypten jene Schriftrollen selbst gesehen hätte, auf denen die Geschichte von Atlantis niedergeschrieben war. Ebenso weist er darauf hin, dass einige seiner Zeitgenossen von einer riesigen Insel im atlantischen Meer berichteten, die „Poseidonia“ genannt wurde und deren Schutzherr Poseidon war.
Marcellinus (330-395 n.Ch.) berichtet von überlieferten Erdbeben und schreibt : « …riesige Schlünde rissen auf und ganze Teile der Erde wurden verschluckt, wie im atlantischen Meer vor der Küste Europas eine große Insel. »
Erstaunlich sind auch die Schriften des Diodorus Siculus (100 v. Ch.), der den Kontinent „Saturnia“ und die Insel „Ogygio“ erwähnt. Er, der nicht ausgesprochen als Verehrer Platons bezeichnet werden kann, schreibt in einem seiner Texte, in dem er sich auf frühere Geschehnisse bezieht: „ ... denn dort draußen in den Tiefen vor Lybien liegt eine Insel von beachtlicher Größe und da sie sich im Ocean befindet ist sie von Lybien eine Seereise von mehreren Tagen entfernt.“ Er erklärt, dass es sich dabei um etwa fünf Tagesfahrten in westlicher Richtung von Britannien aus handelt. Und er meint es seien die „Inseln der Seligen“ und damit die von Homer beschriebenen „Elysischen Gefilde“.
Betrachtet man also Platons Bericht neutral und zieht auch die Aussagen der anderen Historiker der Antike als Ergänzung heran, dann kommt man nicht umhin, die Existenz des Inselkontinents Atlantis zumindest ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Denn es ist nicht abzustreiten, dass Platon wirklich nicht als Phantast zu bezeichnen ist. Sein Ruf als Staatsmann, Historiker und Logiker ist dermaßen fundiert, dass er - auch wenn es sich um den Atlantisbericht handelt – nicht angezweifelt werden kann.
Fortsetzung
folgt...
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