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Über die Druiden hat jeder schon einmal gehört. Der Zauberer Merlin geistert durch die Artus-Sage und Asterix ist durch Comics und Filme bekannt und beliebt.

Die daraus resultierenden Erkenntnisse über die Geheimnisse der Druiden sind anscheinend genug Information um sich einerseits über etwas eigentlich Unbekanntes lustig zu machen. Andererseits jagen sie dem Leser oder Seher einen wohltuenden Schauer über den Rücken. Was wirklich dahinter steckt interessiert kaum mehr.

Die Suche nach dem tiefen und durchaus realen Wert des Druidentums ist nicht gerade einfach, denn es gibt sehr wenig fundamentierte Informationsquellen. Nicht - weil soviel Zeit seit dem Untergang des Druidentums vergangen ist, sondern weil es keine  schriftlichen Aufzeichnungen gibt. Die Druiden haben auf Grund ihrer religiösen und metaphysischen Anschauung nichts aufgeschrieben. Was mündlich überliefert wurde muß also genauest überprüft und sortiert werden. Denn die mündliche Überlieferung hat die tatsächlichen Geschehnisse dramatisiert oder verniedlicht und damit verändert. Es gibt jedoch einen sehr prominenten Chronisten, der sich intensiv mit dem Druidentum auseinandergesetzt hat. Man würde kaum glauben, daß Julius Caesar, der Imperator und Feldherr viele Berichte über die keltischen Stämme und ihre geistigen Führer - die Druiden - hinterlassen hat. Seine Aufzeichnungen können als durchaus objektiv gewertet werden, denn er mußte sich mit den Kelten ständig auseinandersetzen.

Trotzdem hat man das beklemmende Gefühl, daß sich die Geheimnisse der Druiden immer mehr verschließen, je mehr man versucht nach ihnen zu forschen. Der tiefere Sinn jener eigenartigen Lehre, welche die Druiden - tief in den dunklen Wäldern an geheimnisvollen Plätzen verborgen - während einer nahezu zwanzigjährigen Lehrzeit an ihre Schüler weitergaben, ist für unsere Gesellschaft nicht nur fast unverständlich sondern auch unbequem.

Mit gutem Gewissen kann man den inneren Wert des druidischen Gedankens als Religion bezeichnen. Und es ist eine Religion, die eigenartiger Weise dem "wahrhaft" christlichen Gedankengut sehr nahesteht. Hatten doch auch die Druiden in ihrem Grundgedanken die Vision der unsterblichen Seele und deren Auferstehung bzw. Wiedergeburt. Das Besondere am Druidentum ist aber der intensive Bezug zu den wesentlich älteren Religionen der Megalithenkulturen, den Sonnen- und Sternenkulturen. Das Druidentum zeigt auch sehr intensive Verwandtschaft zu allen Religionstendenzen, die aus dem Nordwesten oder Norden kommen und doch findet sich in ihm auch das Erbe der Skyten, das sich als Vermittler zwischen Ost und West präsentiert.

Die Schreiber der Antike haben manchmal für die - für sie so unbegreiflichen Völker im Norden und Nordwesten - Kelten und Germanen einen Namen verwendeten, der sehr vage auf den möglicherweise tatsächlichen Ursprung des Druidentums hinweist. Sie nannten sie die "Hyperboreer".

 

Der Grundgedanke des Druidentums ist so außergewöhnlich, daß sich selbst bei den größten Skeptikern die Frage aufwirft, ob er wirklich menschlichen Gehirnen entsprungen sein kann. Versucht das Druidentum doch Unvereinbares in Einklang zu bringen: Göttliches mit der Schöpfung, Gutes mit Bösem, Vergangenheit mit der Zukunft, Individuelles mit Gemeinschaft und das Leben mit dem Tod. Das ist ein Denken in kosmischen Mustern und das Erkennen des Werdens als ewig gleiche Bewegung in einem zeitlosen Kontinuum. Doch wenn man sich mit dem Druidentum auseinandersetzt, dann spürt man die wahrhaften Wurzeln der westeuropäischen Tradition. Und obwohl das abendländische Denken sehr stark von östlichen Religionen beeinflußt ist - das Christentum kommt ja ebenfalls aus dem Orient - stellt der innere Zweifel dann die Frage : Wer sind wir wirklich? Vielleicht kann die Erforschung des Druidentums einen Schritt in Richtung der Beantwortung dieser Frage tun. Denn es ist für uns heute ganz selbstverständlich, daß eine Gesellschaft ohne Gleichgewicht ihre Daseinsberechtigung verliert. Wir haben inzwischen erkannt, daß der Gedanke der Dualität die Basis unserer Existenz ist.

So wie der König ohne den Druiden nicht auskommen konnte, so war der Druide ohne den König nicht existenzberechtigt. Das Problem der Dualität war nicht vorhanden, die die Dualität war die Basis des Lebens. Für das Druidentum war das Universum ohne die Göttlichkeit nicht möglich und keine Göttlichkeit konnte ohne das Universum sein. So muß man bei allen Betrachtungen des Druidentums davon ausgehen, daß das Eine ohne das Andere nicht sein kann, wie immer die Verbindung auch sein mag.

 

Wie stark der westliche Mensch unbewußt noch an diesen druidischen Gedanken gebunden ist zeigen die vielen druidischen Logen, Orden und Bruderschaften. In Europa, Amerika und Australien finden sich rund eine Million Menschen zusammen, die von sich behaupten Druiden zu sein oder zumindest den druidischen Gedanken als ihre Lebensphilosophie betrachten. Dennoch sollte das Neo-Druidentum mit etwas Vorsicht angenommen werden. Die tatsächliche Hinterlassenschaft der Druiden ist so minimal, daß darauf keine festen Geistesgebäude aufgebaut werden können. Es ist nichts greifbar und daher ist jede Interpretation möglich. Nur die Wunsch- und Traumwelt der Neo-Druiden zeigt, noch die typischen Merkmale der überlieferten keltischen Kultur.

Um den Begriff "Druide" zu erklären muß man sich vorerst einmal an die Scholien im Pharsalia-Manuskript des römischen Schreibers Lucanus halten. Er beschreibt in diesen Texten die Gebräuche der Gallier sehr genau und wird in seinen Aussagen von Plinius bestätigt. Beide berichten, daß "die Druiden ihren Namen von den Bäumen haben, weil sie abgelegene Wälder bewohnen. Sie zelebrieren im -nemeto- (eine heilige Waldlichtung) ihre Rituale". Dazu ist zu bemerken, daß nirgendwo aufgeschrieben steht, daß die Druiden nur unter Eichen feierten. Der "Deutsche Eichenwald" war nicht die Voraussetzung für das Druidentum.

Es gibt jedoch noch weitere - auch linguistisch sehr interessante Hinweise auf die Entstehung der Bezeichnung "Druide". Frühgallisch wurden sie als -DRUIS- bezeichnet, später dann als -DRUIDA-. Französisch als -DRUIDE-, walisisch als -DERWYDD- und bretonisch als -DROUIZ-. Die Iren bezeichneten sie als -DRAOI-, was mit "weiser Hexenmeister" übersetzt wird und damit dem frühwalisischen -DRYW- (Zaunkönig) sehr nahe kommt Zaunkönig = "der über den Zaun schaut" = frühe Bezeichnung für Zauberer, die "hinübersehen" in geheime Welten.Beide Bezeichnungen weisen auf Zauberkräfte oder zumindest auf ein für die normalen Bevölkerungskreise nicht zugängliches Wissen hin. Schon aus dem 4. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen, die sich mit den Zauberkräften der Druiden befassen. Doch man sollte bei diesen Bewertungen nie vergessen, daß vieles, was damals "Zauber oder Zauberei" war, für uns heute durchaus normales Wissen ist.

Zur Zeit der Christianisierung Irlands zogen sich anscheinend die voll ausgebildeten Druiden von ihren Aktivitäten zurück und überließen den Druiden "zweiter Klasse" - also jenen, die zwar voll ausgebildet waren, nicht aber das komplette Wissen vertraten sondern sich auf Weissagungen spezialisiert hatten - die Repräsentation des Druidentums nach außen. Diese Druiden der zweithöchsten Rangstufe wurden als -FILE- (Mehrzahl -FILI-) bezeichnet. Im gallischen Bereich wurden sie -FATES- genannt. Sie waren es, die sich gut mit den christlichen Missionaren arrangierten und zählten zu den ersten, die sich zu christlichen Priestern weihen ließen. Genau genommen war das ein sehr kluger Schachzug. Sie lieferten Land und Volk damit nicht voll an eine religiöse Fremdherrschaft aus.

 

Im Bereich des Druidentums gab es eine sehr exakte Aufgabenteilung, die durch die jeweilige Ausbildungsstufe des Druiden bestimmt wurde. Nur der "fertige" Druide, also derjenige, der alle Ausbildungsstufen durchlaufen hatte und über das komplette Wissen verfügte, durfte sich als Druide bezeichnen und war der geistige Führer seines Stammes. Aus der Gruppe der voll ausgebildeten Druiden wurde das geistige Oberhaupt aller Druiden in sehr demokratischer Abstimmung gewählt. Da sein echter Titel nicht mehr bekannt ist wir er im allgemeinen als "Oberdruide" bezeichnet. Die Ehrenbezeichnung dürfte aber in den Bereich der "unausgesprochenen Namen" fallen und lautete vermutlich -OLLAMH-.

Die -SENCHA- waren die Gerichtsschreiber, die der Königen und Fürsten dienten, wenn Gerichtstag war.

Die -BRITHEM- waren die eigentlichen Richter, Gesetzgeber und auch Botschafter. Sie waren die "grauen Eminenzen" der vielen kleinen Königreiche und Fürstentümer. Da sie sich meist in der Nähe der weltlichen Herrscher aufhielten und als deren Berater fungierten kann man davon ausgehen, daß sie für das Volk - und auch für die Chronisten - die eigentlichen Druiden waren.

Die -SCELAIGE- waren die Kenner der Epen und Mythen. Sie waren es, die in den Stämmen die Erinnerung an die Vergangenheit wachhielten.

Die -CAINTE- oder -GUTVATER- waren die Meister des magischen Gesanges und der Invokation, also der Segenswünsche und Verfluchungen. Sie waren die eigentlichen "Zauberer", an die man sich wandte, wenn man jemanden etwas Gutes oder Böses tun wollte oder sonstige magische Hilfe brauchte.

Die -LILAIG- waren die Ärzte, Pflanzenkenner und auch Operateure. Wir würden sie heute als Schamanen bezeichnen. Doch ihr medizinisches Wissen war wesentlich größer als das der Schamanen. Das wird durch verschiedene Skelettfunde die Spuren von Knochenoperationen aufzeigen, bestätigt. Ihr Wissen um die Kräfte der Pflanzen und Steine muß sensationell gewesen sein.

Die -CRUITIRE- waren die Harfenspieler, die mit ihrer Musik und ihren Liedern bezauberten. Sie blieben jedoch bei ihrem Stamm. Die -BARDEN- waren die wandernden Sänger und Harfenspieler. Sie zogen von Königshof zu Königshof und waren somit auch die eigentlichen Übermittler von Nachrichten. In der Zeit der Christianisierung der Bretagne übernahmen sie die Rolle der -FILI- in Irland.

Die -DEOGBAIRE- waren die Kenner der flüssigen Substanzen und der berauschenden Drogen. Sie brauten den Met, aber auch die Zaubertränke. Bei großen Festen waren sie es, die für die Zusammenstellung der Getränke verantwortlich waren. Es kam oft zu direkten Konfrontationen unter ihnen, wenn einer sein spezielles Rezept besonders geheim halten wollte.

Die -FAITH-, -FILE- oder -FATES- waren die Weissagenden, die ihren Stammesfürsten mit Rat zur Seite standen. Sie waren es auch, die bei den großen Ritualfeiern die Opfer auswählten, denn durch ihre Gabe, in die Zukunft zu sehen, erkannten sie "wer als Opfer ausersehen war."

 

Wie schon angesprochen wurde der ranghöchste Druide - also der "regierende Druide" - von einem Gremium aus allen "hohen Druiden" nach Ansehen der Person ausgewählt. Einmal im Jahr versammelten sich alle an einem geheimen Ort um die Wahl durchzuführen. Es ist wahrscheinlich, daß es zwei oder drei solcher Orte gegeben hat. Einen in Irland, der als -MIDHE- = das Königreich der Mitte, bezeichnet wurde und der von -ARD RI- = dem Großkönig regiert wurde und im Lande -TARA- gelegen haben soll. Dieser Großkönig herrschte über die vier Königreiche mit den verschiedenen Stämmen. Es finden sich in alten Chroniken immer wieder Hinweise darauf, daß der -BANGOR VON TARA- = die mystische Schule von -TARA-, das internationale Zentrum der druidischen Gemeinschaft war. Ein weiteres Zentrum dieser Art soll sich auf der walisischen Insel Mona befunden haben, die wir heute unter dem Namen Anglesey kennen. Das gallische Hauptheiligtum befand sich im Land der Carnuten. Vermutlich war es in Saint Banoit-sur-Loire oder in Fleury-sur-Loire.

Die viele Länder umspannende druidische Organisation hatte anscheinend kaum Probleme, die divergierenden Interessen und verschiedenen politischen Anschauungen der einzelnen autonomen Stämme, die durch den jeweiligen Stammesdruiden vertreten wurden, sinnvoll und friedlich zu vereinen. Man könnte das Druidentum vom heutigen Standpunkt ausgesehen als supranationale Organisation bezeichnen.

Eine Grundvoraussetzung dafür war wohl das dichte und bestens funktionierende Nachrichtennetz der Druiden. Wie gut und auf welche Distanzen es funktionierte kann man erkennen wenn man bedenkt, daß die -BRITONEN- im Jahr 56 beim Aufstand der Veneter Hilfstruppen in die Bretagne sandten um ihre gallischen Brüder zu unterstützen.

Es wäre für die vielen kleinen König- und Fürstentümer gar nicht möglich gewesen eine derartige Organisation aufzuziehen. Nur die enorme geistige Kapazität der voll ausgebildeten Druiden konnte die Voraussetzung für einen derart funktionierenden "Überstaat" garantieren. Und die weltlichen Machthaber wußten das sehr genau. Ihre Achtung für die Druiden ging so weit, daß der König im Rat nicht sprechen durfte ehe nicht der Druide gesprochen hatte.

So bildete das Druidentum die Grundlage der keltischen Gesellschaft, war aber auch für die Folgeerscheinungen verantwortlich. Indem der Druide den König beriet wurde er gleichzeitig zum Gewissen des Volkes. Der König alleine konnte seinem Volk nicht alles bieten, was es benötigte. Der Druide alleine ebenfalls nicht.

Die Ursache dafür war, daß das Imperium der keltischen Gottheiten in sich nie stabil war. Ein Gott war sehr aktiv und hatte Leistungen zu erbringen. Er konnte jedoch vernichtet werden, d.h. er war genauso sterblich wie ein Mensch. Doch in der Dualität Gott-Mensch ist es auch so, daß der Mensch stirbt wenn der Gott vernichtet wird. Ein ewiges Sein und Werden, das aufeinander abgestimmt ist. Die Ein-Gott-Gesellschaft liefert sich der ewigen Existenz ihres Gottes aus. Die druidische Gesellschaft verlangt die Umsetzung des göttlichen Planes bis ins letzte Detail und bis zur Selbstaufgabe. Daher waren es die Druiden, die mit dem Bewußtsein, den göttlichen Plan zu verwirklichen und auf den Menschen anzuwenden, an den entscheidenden Positionen der keltischen Gesellschaft als Führer fungierten. Sie wußten, daß der Mensch das Fundament und das Werden eines Gottes war.

Diese druidische Gottesauffassung beinhaltet einen ständigen Appell an das Sein. Doch würde das Sein sich selbst genügen käme es sehr rasch zu dem, was die diversen östlichen Philosophien erreichen. Nämlich die gewaltige Leere des Nicht-Seins, des Nicht-Wollens, des Sich-Aufgebens. Das Druidentum verkörpert die Gegentheorie. Den hemmungslosen, leidenschaftlichen Lebenswillen der Götter und der Menschen, der sich auch mit dem Leid und dem Schmerz auseinandersetzt. Den eisernen Willen, den Kampf des Lebens mit erhobenen Kopf und offenen Augen, mit einen Lächeln auf den Lippen und der festen Überzeugung von der jedem Einzelnen innewohnenden Kraft zu bestehen. Die Druiden hatten erkannt, daß der Weg in sich selbst eine Reise von ewiger Dauer ist.

An einem ganz anderen Ort unserer Erde und zu einer ganz anderen Zeit hat einer der großen mystischen Wissenden genau diesen Gedanken schon einmal ausgedrückt und ist - beabsichtigt oder nicht - mißverstanden worden. Hermes Trismegistos prägte in seine "tabula smaragdina" die Worte: Wie oben, so unten. Denn eines kann ohne das andere nicht sein.

Immer wieder sprechen die Chroniken von einem Druidenstamm, der ganz besonders geheimnisvoll gewesen sein mußte. Es waren die -FIANA-, die Krieger-Druiden. Dabei handelt es sich um eine legendäre Priestergruppe, die sich von den "Tuatha De Danann" ableiteten. Das waren die Wissenden, die auch die uralten Kampfformen beherrschten. Sie wußten nicht nur mit den Waffen die sie trugen umzugehen sondern sie verfügten auch über besondere Waffen, die sie durch Geisteskraft in Funktion setzten. Ihr Oberhaupt soll der legendäre "Finn mac Cumail" gewesen sein, der mit seinem kriegerischen Stamm durch die Lande zog und meist unerwartet auftauchte. Jeder dieser Krieger mußte aber auch die Harfe und den Gesang beherrschen und in einem -BANGOR- erzogen worden sein. Eine wahrhaft elitäre Gruppe von Kriegerpriestern also, mit denen aus verschiedenen Gründen sicherlich nicht gut Kirschen essen war.

 

Könige, Fürsten und Krieger wurden jedoch in der Gesellschaftsordnung den Druiden nicht gleichgestellt. Sie bildeten sozusagen die zweite Gesellschaftsklasse. Die dritte Stufe waren die einfachen Handwerker und Bauern.

Über die "Aufnahmeprüfung", die ein Anwärter der -FIANA- abzulegen hatte, gibt es historische Aufzeichnungen, die im Finn-Zyklus der "History of Ireland" niedergeschrieben sind. Auszugsweise lauten sie:

Keiner wurde unter die Leute des Finn aufgenommen, der nicht hervorragend gelehrt war und mit den zwölf Büchern der Dichtkunst vertraut war. Und auch keiner, der mit seinem Schild und einem mehr als einer Elle langem Haselstock in einem dergestalt ausgehobenen Loch Platz fand, daß es ihm zum Gürtel reichte. Es mußten neun Krieger, von denen jeder neun Speere hatte, aus einer Entfernung von sechs Furchen ihn angreifen, und alle zugleich auf ihr zielen. Und wenn er nicht wachsam genug war und ein Speer ihn berührte, dann war er des Todes und war er das nicht, dann konnte er nicht unter die fiana aufgenommen werden.

Und keiner wurde zugelassen, der nicht, das Kopfhaar in Flechten gebunden, in vollem Lauf durch die Wälder Irlands zu jagen vermochte. Wenn im Wald ein Zweig aus seinem Haar eine Strähne löste, wurde er nicht zugelassen. Knackte dürres Holz unter seinem Fuß im Lauf wurde er nicht zugelassen. Konnte er nicht in vollem Lauf eine in Stirnhöhe angebrachte Stange überqueren und unter einer anderen, in Kniehöhe angebrachten in vollem Lauf unterqueren, dann wurde er nicht zugelassen. Konnte er nicht in vollem Lauf mit dem Fingernagel einen Dorn aus einem Hacken reißen, so konnte er nicht ein fiana sein.

Weniger problematisch war es in die druidischen Schulen aufgenommen zu werden. Hier galten nur die intellektuellen Fähigkeiten als Ausscheidungskriterium. Und erst ab der höheren Stufe der meist mehr als zwanzig Jahre dauernden Ausbildung war der Druide an seine Verpflichtung dermaßen gebunden, daß er nicht mehr in das normale Leben zurückkehren konnte.

 

Oft werden die Druiden auch mit den monumentalen Steinbauten der Megalithenzeit in Verbindung gebracht. Dabei wird vergessen, daß diese Monumentalbauten zwischen 4000 bis 2000 v. Ch. entstanden sind und die Kelten - bei denen sich der Druide erstmals zeigte - nachweislich zwischen 900 bis 700 v.Ch. auftauchten. Das war die Endphase der Bronzezeit. Archäologisch einwandfrei nachgewiesen werden kann die Existenz der Kelten erst um 500 v.Ch. Die Steinmonumente der Megalithenzeit müssen also von Völkern errichtet worden sein über die - und über deren hochentwickelte Spiritualität - wir kaum etwas wissen. Man kann aber davon ausgehen, daß die Druiden über die Nutzung dieser Monumentalbauten noch genügend wußten um sie zumindest teilweise verwenden zu können.

Auf jeden Fall ist nachgewiesen, daß sich die druidische Kultur in ihrer Hochblüte befand, als Griechen und Römer mit ihr konfrontiert wurden. So berichtet Ammianus Marcellinus seinen Auftraggeber Timagenes, daß im Vergleich mit druidischen Barden und einheimischen Sehern "die Druiden durch ihr Wissen den Sieg davontragen. So hat es Pythagoras als Autorität entschieden."

Das sagt aus, daß selbst Pythagoras sich mit den Druiden beschäftigt und ihr Wissen bewundert hat. Clemens von Alexandria berichtet, daß Pythagoras "Hörer der Galater" gewesen sei. Das wiederum weist darauf hin, daß er zumindest einen druidischen Lehrer hatte, wenn er nicht eine druidische Schule besucht hat. Die pythagoräische Lehre weist jedoch nicht besonders auf ein solches Geschehnis hin  - außer daß sie, ebenso wie die druidische Lehre - von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele spricht.

Es ist weder historisch noch archäologisch nachweisbar, daß das Druidentum aus dem Mittelmeerraum stammt. Alle Erkenntnisse deuten auf den Norden oder Nordwesten Europas hin. Und doch muß es eine - möglicherweise besonders frühe Verbindung - zu den Mittelmeerkulturen gegeben haben. Denn einige alte Überlieferungen aus dem delphischen Kultbereich sprechen von einem "hyperboräischen Apoll". Cicero geht sogar so weit, vier Apollgestalten zu unterscheiden, von denen die dritte "aus den hyperboräischen Regionen" gekommen war. Diodor von Sizilien vermutet eine sehr enge Verbindung zwischen dem Kult von Delphi und den britannischen Inseln. Diese Ansichten sind durchaus mit den aus den Atlantischen Berichten bekannten "hyper-boreeischen Sonne" in Einklang zu bringen. Könnte man hier einen Zusammenhang feststellen, wäre das enorme und nicht die ihre Zeit passende Wissen der Druiden sicherlich besser zu erklären.

Pytheas, ein in Marseille lebender Grieche vermutete auf den britannischen Inseln einen Sonnenkult, dessen Zentrum die Steinkreise von Stonehenge waren. Diese Anlage wurde vermutlich um 2500 v.Ch. - also lange vor der Zeit der Kelten - erbaut und in der Bronzezeit mehrfach umgebaut bzw. umfunktioniert. Man kann also davon ausgehen, daß die Kelten eine Art Prä-Druidentum vorfanden als sie begannen, die Stammvölker der Insel zu unterwerfen. Daß dieses Prä-Druidentum über enormes Wissen verfügte läßt sich aus der Aussage erkennen, daß Apoll alle neunzehn Jahre nach Stonehenge kommen sollte. Diese neunzehn Jahre sind ein Zyklus, an dessen Ende sich der Mond- und der Sonnenkalender decken. Unter der Bezeichnung "Zyklus von Denis dem Kleinen" benutzten ihn im 7. Jahrhundert die Päpste um das zeitlich bewegliche Osterfest richtig zu datieren. Interessant ist jedoch, daß gerade die keltischen Christen sich dann weigerten, diesen Zyklus anzuerkennen.

In einem der ältesten irischen Texte - "Die Schlacht von Mag Tured" - werden die Tuatha De Danann erstmals erwähnt. Sie werden als das Volk der Göttin Dana bezeichnet. Sie sind es, die das druidische Wissen von den "Inseln im Norden" nach Irland gebracht haben sollen.

Die historische Überlieferung sieht die Tuatha De Danann als der vierte Volk an, das Irland "nach der Sintflut" erobert hat. Die Tuatha De Danann sind die direkten Vorgänger des Volkes der Gälen und wurden später als das "Alte Volk" oder "Volk der Götter" bezeichnet. Sie gelten aber auch als die Nachkommen des "NEMED" = "der Heilige", der das zweite Eroberervolk, das Irland okkupierte, angeführt haben soll. Das Eintreffen der Tuatha De Danann auf den irischen Inseln war dramatisch. Nicht nur, daß sie am Tage des Beltaine-Festes die Insel erstürmten, sie verbrannten auch nach der Landung ihre Schiffe und tauchten aus einer Wand von Rauch und Feuer vor den geschockten Einwohnern auf.

Sie brachten einige wichtige Dinge mit, die dann im Weiteren nicht nur die Geschichte des Druidentums prägten. Manches finden wir im christlichen Bereich und anderen religiösen Gedanken wieder. Die Tuatha De Danann brachten den "Stein von Fal", der auch "Krönungsstein" oder "Licht" genannt wurde. Sie brachten "die flammende Lanze von Lug", die nur von einem Wissenden geworfen werden konnte und das "Schwert von Nuada", welches - wurde es einmal in die Erde gesteckt - nur von seinem Eigentümer wieder herausgezogen werden konnte. Und sie brachten den "unerschöpflichen Kessel von Dagda".

Es ist wirklich nicht schwer im "Schwert von Nuada" das mystische Schwert Exkalibur von König Artus zu erkennen und auch der "unerschöpfliche Kessel von Dagda" kann problemlos als Urfassung des Grals erkannt werden. Die "flammende Lanze von Lug" kann symbolisch sehr wohl als eine energetische Waffe, die nur von besonders ausgebildeten Wissenden geworfen werden kann, verstanden werden.

Die Tuatha De Danann waren aber nicht nur siegreiche Krieger. Sie waren Künstler, Handwerker, Techniker und Magier. Der Gott Lug war der Gott aller Künste. Das Volk der Tuatha De Danann muß also symbolisch-mystisch als das Vorwärtsstreben und die Weiterentwicklung des Menschen gesehen werden.

Das geht auch aus einer zeitlichen Aufgliederung der historischen Geschehnisse um das alte Irland klar hervor:

1) Vor der Sintflut:

CESSAIR, die Ur-Frau entwirft die Welt und die Menschheit nach ihrem Bild.

2) Nach der Sintflut:

Die erste Eroberung durch PARTHOLON, der immer von drei weiß gekleideten Beratern mit Kristallstäben umgeben war. Er erschuf den Menschen neu. Es entwickelte sich der natürliche Materialismus.

3) Die zweite Eroberung:

NEMED, der Heilige, eroberte das Land. Er fügte dem Materialismus den Geist und die Spiritualität hinzu.

4) Die dritte Eroberung:

Der mächtige Kriegsherr FIR BOLD eroberte das Land. Er fügte dem Materialismus, dem Geist und der Spiritualität das Recht hinzu. Nemeds Söhne und die Fir Bold kämpften mit den Tuatha De Danann um die Macht.

5) Die vierte Eroberung:

Die Tuatha De Danann eroberten das Land. Sie fügten dem bereits Vorhandenem das Wissen, das Erkennen der Götter, die Künste und das Handwerk bei. Als sie das Volk gelehrt hatten zogen sie sich in die Wälder zurück und lebten für sich selbst.

6) Die fünfte Eroberung:

Die Söhne von MILE waren die Erben der Tuatha De Danann. Sie fügten die praktische Verwirklichung alles dessen, was dem Volk gelehrt worden war, hinzu und sie sind die Gegenwart.

"Also ließ sich, von einer großen Wolke getragen, der Stamm der Göttin Dana, das Elfenvolk, auf die Erde herab!"  So sagt es die Mythologie. DANA war die Göttin, die wie ein Adler die Lüfte durcheilte. Manchmal wird sie auch als Falke, Sperber oder Kranich dargestellt. Sie ist das luftig-feurige Prinzip, das den Sonnenkult ihres Vaters DAGDA in den weich-fließenden Mondkult hinübergleiten läßt. Sie war die Herrin der TUATHA vom Stamme der TUATACH, der Magier. Später wurde aus ihr Brigantia und Brigitte.

Sie war es aber auch, die sich in den Phasen des Unterganges des Matriarchats in die grausame Göttin MORRIGAN - in die Todesgöttin und Gattin des Todesgottes TETHRA - verwandelte. Und über diese berichtet die Mythologie:

"Wonach verlangt es dem Weibe des Tethra? Nach dem Feuer des Kampfes!

Nach den Reihen von Kriegern, vom Schwerte zerrissen!

Nach Blut, und nach den Leichnamen unter Leichen!

Nach Augen in Todesstarre. Nach Köpfen, vom Rumpf abgetrennt.

Solcherlei Worte vernimmt sie mit Freude! Solcherlei Taten erfreuen ihr Herz.

Und wenn sie ihr Schwert im Blute versenkt, dann jubelt ihr Geist!"

Es ist also nicht gerade erfreulich, was aus der sanften DANA geworden ist. Und es ist ebensowenig erfreulich, daß das Volk der Tuatha De Danann bereit war, nötigenfalls den Spuren seiner Herrscherin zu folgen.

 

Um das Druidentum besser zu verstehen muß man sich auch mit den keltischen Göttern auseinandersetzen. Die einzige Vergleichsmöglichkeit die wir haben sind die römischen Götter. Und Julius Caesar hat sich sehr intensiv damit befaßt. Seine Erklärungen sind sehr aufschlußreich, obwohl er zwar meist nur die Götter der Kelten im gallischen Raum zum Vergleich herangezogen hat. Die Unterschiede zwischen den keltischen Göttern und den britannischen Gottheiten sind kaum der Rede wert.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, daß die keltischen Götter häufig keine deutlich materialisierte Gestalt angenommen haben. Sie sind eher als die NUMINA zu bezeichnen. Das sind geheimnisvolle Kräfte, denen die verschiedensten Wirkungen und Eigenschaften zugeschrieben wurden. Sie können sich oft nur im Namen eines Gottes sammeln und entfalten sich, wenn dieser Name ausgesprochen wird. Und solche Götternamen konnten durchaus von Stamm zu Stamm verschieden sein. Das Weltbild der Kelten war auch in diesem Bereich sehr flexibel.

Fortsetzung folgt.

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